Zuschuss für den anerkannten Abschluss

11 28. Februar 2014 / Posted von Drucken

Die gesetzlichen Leitplanken lassen den amtlichen Stellen wenig Spielraum bei der Gewährung von Stipendien. Wer für die Ausbildungsfinanzierung staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen will, ist gut beraten, komplette Unterlagen einzureichen und die Eingabefristen zu beachten.

von Peter Widmer, Leiter Stipendienberatung

Eine gute Grundausbildung und Arbeitserfahrungen reichen heute kaum mehr aus, um sich im laufend wandelnden Arbeitsmarkt behaupten zu können. Wer konkurrenz- und damit arbeitsmarktfähig bleiben will, muss sich permanent fort- und weiterbilden. Gratis ist dies jedoch nicht zu haben. Nebst persönlichen Ressourcen und einem tragfähigen Umfeld braucht es auch ein finanzielles Polster. Wer nun in der komfortablen Lage ist, auf eigene finanzielle Ressourcen zurückzugreifen oder auf die Unterstützung der Eltern zählen darf, kann sich Ausbildung eher leisten. Viele junge Erwachsene verdienen aber zu wenig, um Geld auf die Seite zu legen oder setzen nach langjährigen Ausbildungsphasen, verständlicherweise , zunächst andere Prioritäten (z.B. Auslandaufenthalte). Sie rechnen dann mit staatlicher Unterstützung – mit Stipendien.

Hürdenläufer im Vorteil
Stipendien zu erhalten kann einen regelrechten Hindernislauf voraussetzen. Viele Interessierte sind bereits nach ersten Auskünften ernüchtert. Engmaschige Regelwerke beeinflussen die Gewährung von Stipendien, auch im Kanton Zürich. Und dennoch – es lohnt sich allemal, die Möglichkeiten zum Erhalt von kantonalen Stipendien exakt abzuklären. Was ist zu beachten und wie ist korrekt vorzugehen? Mit solchen und ähnlichen Fragen ist auch die Stipendienberatung der Stadt Zürich tagtäglich konfrontiert.

Anerkannte Abschlüsse
Stipendien sind kantonal geregelt. Aus Sicht des Gesetzgebers sollen Stipendien in erster Linie die Chancengleichheit erhöhen, also denjenigen Personen eine auf ihre Neigungen und Fähigkeiten abgestimmte Grundausbildung ermöglichen, die es sich nicht leisten können. Erst in zweiter Linie und darum eher einschränkend beinhalten die kantonalen Stipendienordnungen auch die Förderung von zweiten Ausbildungen oder gar Umschulungen. Kantone fördern mit Stipendien (oder Darlehen) vorab vom Bund oder von den Kantonen anerkannte Ausbildungen. Dies sind mehrheitlich Ausbildungen an öffentlichen Schulen, sicher aber Ausbildungen, welche zu einem schweizerischen oder von der kantonalen Stipendienstelle anerkannten Abschluss führen.

Wenig flexible Regelungen
Im Alltag der Stipendienberatung des Laufbahnzentrums zeigt es sich häufig, dass eine grosse Lücke klafft zwischen den Wünschen der Antragstellenden und den von Gesetzes wegen realisierbaren Unterstützungsmöglichkeiten. Alterslimiten beschränken den Zugang zu Stipendien und die Gesetzgebungen werden – wenn überhaupt – nur sehr zögerlich auf das lifelong learning ausgerichtet. Als Meilenstein in den letzten Jahren darf sicher bezeichnet werden, dass es den Kantonen nach jahrzehntelangen Harmonisierungsbestrebungen gelungen ist, Standards für die kantonalen Stipendienregelungen der Zukunft einzuführen. Damit werden die massiven Unterschiede zwischen den Kantonen abgebaut und eine Gleichförmigkeit der Regelungen anvisiert (z.B. gleiche Beitrags-Minimalhöhe bei gleichen Verhältnissen). Trotz anerkennenswerten Fortschritten der Kantone: Die Stipendienregelungen in den Kantonen sind meist wenig flexibel und Chancen werden immer wieder verpasst, sie auch als griffiges Instrument für diejenigen bildungsfähigen Personen auszugestalten, welche situationsbedingt (z.B. wegen andauernder Erwerbslosigkeit mit Sozialhilfeabhängigkeit) auf monetäre Hilfe angewiesen wären. Dabei sind Investitionen ins Humankapital durch ein gutes und flexibles Stipendiensystem ohne Zweifel lohnenswert.

Tipps für das Verfahren
Stipendienverfahren ziehen sich oft in die Länge wegen unvollständigen Unterlagen und fehlenden Angaben. Und wenn Eltern ihren Kindern Dokumente nicht aushändigen wie z.B. Steuerunterlagen, die sie dringend für die Gesuchstellung benötigen, kann dies ein ganzes Verfahren blockieren. Solche und ähnliche Situationen führen am Ende dazu, dass Stipendien nicht rechtzeitig auf Ausbildungsbeginn gewährt werden können. Als Ausweg bleibt dann oft nur der Gang zur Sozialhilfe. Aber auch hier sind die Bedingungen und gesetzlichen Vorgaben einengend und garantieren nicht in jedem Fall Überbrückungsleistungen!

Es kann daher nicht genug betont werden: Wer Stipendien beantragen und sich selber viele Unsicherheiten ersparen will, muss in jedem Fall formale Vorschriften beachten. Die Stipendienstellen verlangen Unterlagen, weil diese für die Beurteilung eines Gesuchs und für die Beitragsberechnung notwendig und jene verpflichtet sind, Beitragsgesuche nach den geltenden gesetzlichen Bestimmungen zu behandeln.

Lückenlose Unterlagen und Transparenz
Mit anderen Worten: Formulare für ein Beitragsgesuch müssen immer vollständig ausgefüllt und unterzeichnet sowie komplett mit allen gewünschten Unterlagen ergänzt sein. Wer zu einzelnen Positionen keine Angaben macht, läuft bereits Gefahr, dass das Gesuch in die Warteschlaufe gerät und sich der Entscheid unter Umständen um Wochen oder Monate verzögert. Es lohnt sich wirklich, alle Fragen zu beantworten. Ist dies nicht möglich, soll zumindest schriftlich erklärt und noch besser belegt werden, weshalb eine Frage nicht beantwortet werden kann, z.B. wenn seit längerer Zeit keine Kontakte mehr zu einem Elternteil bestehen oder die Eltern die Herausgabe von Dokumenten verweigern. Es ist grundsätzlich Pflicht der Gesuchstellenden, alle für die Behandlung eines Gesuchs verlangten Unterlagen einzureichen. Ist dies nicht möglich, müssen die Gründe schriftlich genannt werden.

Den Letzten beissen die Hunde
Die gesetzlichen Eingabefristen sind ganz speziell zu beachten. Die Stipendienberatung des Laufbahnzentrums empfiehlt, Gesuche frühzeitig einzureichen. Erfahrungsgemäß muss mit einer mehrmonatigen Wartezeit gerechnet werden, vor allem im Kanton Zürich. Wer also dringend auf Stipendien angewiesen ist und auf keine eigenen finanziellen Rücklagen zwecks Überbrückung zurückgreifen kann, ist gut beraten, sich für das Zusammenstellen des Stipendiengesuchs die nötige Zeit zu nehmen.

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