Über die neuen Herausforderungen in der Berufsintegration

4 8. Januar 2015 / Posted von Drucken

Der neue Sammelband „Wer hilft mir, was zu werden?“ befasst sich mit der professionellen Begleitung von Jugendlichen bei der Berufsintegration. Er enthält Aufsätze von Fachpersonen aus der Schweiz und Deutschland. Das Kapitel von Daniel Jungo, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Laufbahnzentrum der Stadt Zürich, setzt sich mit der Rolle der Berufsberatung auseinander.

von Daniel Jungo

Jugendliche in der Volksschule, in Brückenangeboten oder Motivationssemestern benötigen Unterstützung, wenn sie sich mit Fragen um ihre Bildungszukunft auseinandersetzen wollen oder müssen. Viele Akteure tummeln sich in diesem Gebiet, was Fragen nach der Qualität, den Kompetenzen und dem professionellen Handeln aufwirft. „Wer hilft mir, was zu werden?“ sucht nach Antworten auf diese Fragen.

Inhalt
Das Fachbuch enthält Aufsätze von Fachpersonen mit unterschiedlichem Ausbildungshintergrund zu ganz verschiedenen Themen. Allen Hauptartikeln sind Erfahrungsberichte und Reflexionen aus der Praxis gegenübergestellt. Porträts von Jugendlichen im Übergang runden das Werk ab.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert: Der erste Teil thematisiert Veränderungen im Übergang. Dabei werden beispielsweise Angebote im Übergangssystem, unterschiedliche Förderlogiken oder Hintergründe zu Lehrvertragsauflösungen vorgestellt. Der zweite Teil betrifft neue Herausforderungen und Anforderungen an die Professionalität von Personen, welche in diesem Übergang tätig sind. Involviert sind dabei Lehrpersonen, Sozialarbeiterinnen, Sonderpädagogen und Berufsberaterinnen. Im letzten Teil schliesslich werden Arbeitsprinzipien und Methoden vorgestellt wie beispielsweise Coachingmethoden, Verfahren der Kompetenzfeststellung oder Möglichkeiten der Elternarbeit.

Die Rolle der Berufsberatung und die verschiedenen Ansätze
In meinem Kapitel erläutere ich die Rolle der Berufsberatung in der beruflichen Integration. Sie berücksichtigt in der Praxis verschiedene Ansätze. Klassische Ansätze betreffen beispielsweise die Passung, die Entwicklung oder soziologische Faktoren, wobei in der Beratung sowohl psychodynamische, kognitiv-behavioristische und existenziell-humanistische Beratungsansätze zum Zuge kommen.

Die klassischen Ansätze werden heute ergänzt (nicht ersetzt) durch neuere Entwicklungen. Eine Entwicklung betrifft das Prestige und die Geschlechtstypik, eine andere den kognitiven Ansatz, in welchem die Selbstwirksamkeitserwartung wichtig ist oder das Erstellen von individuellen Lernplänen. Interessant ist aber auch der konstruktivistische Ansatz von Savickas, welcher die subjektive Realität in den Vordergrund stellt. In der Praxis werden dabei Fragen zu Vorbildern, interessanten Zeitschriften, bevorzugtem Motto oder frühen Erinnerungen gestellt.

Aktuelle Entwicklungen im Bereich der Beratungsmodelle stammen zudem von der lösungsorientierten Beratung, der narrativen Beratung, der Visualisierung und der Positiven Psychologie.

Um in diesem komplexen Feld die Übersicht behalten zu können sind integrative Ansätze und Modelle wie das Pyramidenmodell der Berufswahlvorbereitung von Egloff und Jungo wichtig und hilfreich. Dieses Modell unterscheidet zwischen Personenfaktoren (z.B. Zielstrebigkeit oder Durchhaltevermögen), Berufsfindungsprozess (mit den 5 Schritten Selbstbild, Arbeits- und Berufswelt, Zuordnung, Entscheidung und Realisierung) und Umweltfaktoren (z.B. Gesellschaft, Massenmedien oder Wohngegend). Es integriert zudem das bekannte Kooperationsmodell mit den Kooperationspartnern Eltern, Schule, Berufsberatung und Wirtschaft.

Schliesslich ist für eine professionelle Berufsberatung die Diagnostik zentral, wobei auch hier klassische Diagnostikinstrumente wie Interessentests oder neuere Ansätze wie Instrumente zur Erfassung von Charakterstärken oder von Talenten Anwendung finden.

Das Kapitel endet mit Gedanken zur Qualität und geht dabei auf verschiedene Beispiele ein wie auf evaluierte Theorien in Fachbüchern, Qualitätskriterien von Diagnostikinstrumenten, das Qualitätsmanagement oder Evaluationsprojekte von Einzelberatungen.

Die Ausführungen führen zur Erkenntnis, dass für die Professionalität der Berufsberatung verschiedene Faktoren wichtig sind: Theorie und Praxisrelevanz, seriöse Instrumente, Kooperationen und neue Entwicklungen und Innovationen.

Professionelles Handeln in der Berufsintegration
Im Schlussteil des Buches weisen die Herausgeberinnen Annamarie Ryter und Dorothee Schaffner unter anderem auf Spannungen im interprofessionellen Handlungsfeld hin und erstellen Kompetenzbereiche für Fachpersonen, die in der Berufsintegration tätig sind.

Den Herausgeberinnen, beide als Dozentinnen an der Fachhochschule Nordwestschweiz tätig, ist es mit diesem Sammelband gelungen, ein umfassendes Werk zum professionellen Handeln in der Berufsintegration zu veröffentlichen. Das Buch ist eine wichtige Klärungshilfe zur Frage, welche Fachpersonen welchen Jugendlichen beim Übergang I behilflich sein können und welche Professionalität dabei vorhanden sein muss.

Bezugsquelle: http://www.hep-verlag.ch/wer-hilft-mir-was-zu-werden

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