Nächster Halt: Berufsprüfung für Lokomotivführer/innen

4 9. August 2018 / Posted von Drucken

So verankert der Beruf des Lokomotivführers in unseren Köpfen ist, so wenig ist er es im Bildungssystem. Eine Berufsprüfung schafft Abhilfe und sorgt für eine anerkannte Qualifizierung dieses Berufs. Erste Prüfungen finden bereits Ende 2018 statt.

von Michael Milz

Berufsprüfung-Lokführer SBB

Durch die neue Berufsprüfung erfährt der Beruf der Lokomotivführer und Lokomotivführerinnen eine qualifizierte Anerkennung. (©SBB CFF FFS)

Wenn es einen geradezu prototypischen Traumjob – vor allem für Knaben – gibt, dann den des Lokomotivführers. Doch die Zeiten ändern sich, und so sagt auch Felix Traber, Präsident der Prüfungskommission für die neu geschaffene Berufsprüfung für Lokomotivführer/innen und selber im Führerstand tätig: «Ein Traumberuf ist Lokomotivführerin  und Lokomotivführer vermutlich nicht mehr wie er es früher war, doch dies ist eine ganz allgemeine Erscheinung in der Berufswelt.» Eine ebenfalls allgemeine Erscheinung in der Arbeitswelt ist das Verankern von Berufen und deren Ausbildungen in der schweizerischen Bildungslandschaft. Und genau das geschieht aktuell mit dem Beruf.

Förderung von Arbeitsmarktfähigkeit und Integration im Berufssystem

Denn lange Zeit hätten die Bahnen vieles autonom regeln können, sagt Traber. Eine erste Änderung gab es vor rund 15 Jahren mit der Einführung der Verordnung des UVEK über die Zulassung zum Führen von Triebfahrzeugen der Eisenbahnen (VTE). Damit gab es für Lokführerinnen und Lokführer zum ersten Mal eine schweizweit gültige Regelung betreffend Zulassung und Prüfung. Nun ist man hinsichtlich Verankerung im schweizerischen Bildungssystem einen Schritt weitergegangen und bietet ab sofort eine der BAV-Prüfung nachgelagerte, freiwillige Berufsprüfung für Lokomotivführer/innen an. Damit erfährt der Beruf eine anerkannte Qualifizierung. Zusätzlich wird die Arbeitsmarktfähigkeit der Berufsleute gefördert und verbessert.

Berufsprüfung für Lokomotivführer/innen

Die neu geschaffene Berufsprüfung für Lokomotivführer/innen richtet sich an Berufsleute aus dem Personen- und Güterverkehr mit einer Berufspraxis von – je nach Vorbildung – 2 bis 4 Jahren und die im Besitz einer bestandenen Fähigkeitsprüfung für das Führen von Triebfahrzeugen des BAV sind. Weitere Informationen zur Berufsprüfung

Denn die Berufsbildung in der Branche des öffentlichen Verkehrs hat generell einen anderen Stellenwert als früher – es wurden neue Angebote wie die Fachleute öffentlicher Verkehr EFZ, Spezialist/in öffentlicher Verkehr mit eidg. Fachausweis oder die Höhere Fachprüfung Manager/in öffentlicher Verkehr geschaffen. «Auch seitens des Lokpersonals wurde immer wieder der Wunsch nach einer Integration des Berufes im Bildungssystem geäussert», sagt Traber, «zunächst aber stand eine Grundbildung im Fokus – dies, obwohl die meisten Berufsleute bereits darüber verfügten.» Lokomotivführer/in ist ein klassischer Weiterbildungsberuf.

Erste Prüfungen bereits Ende 2018

Berufsprüfung Lokführer SBB

(©SBB CFF FFS)

2011 unternahmen diverse Bahnunternehmen und Sozialpartner einen Anlauf zur Schaffung einer Berufsprüfung. Die dazugehörige Prüfungsordnung wurde im Februar 2018 genehmigt und so werden bereits Ende 2018 die ersten Prüfungen durchgeführt. Vor allem bei jüngeren Berufsleuten ist das Interesse an der Berufsprüfung gross. Anwärterinnen und Anwärter haben dabei bis acht Wochen vor dem Prüfungstermin einen Reflexionsbericht zum eigenen Erfahrungswissen einzureichen. Die eigentliche Prüfung wird dann mündlich absolviert und umfasst während der 45 Minuten ein Fachgespräch, in dem unter anderem die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Reflexionsbericht präsentiert werden und das Erfahrungswissen auf neuartige Situationen übertragen wird.

Förderung der Reflexionsfähigkeit

Es fällt auf, dass im Zusammenhang mit der Berufsprüfung immer wieder von der Förderung der Reflexionsfähigkeit des Lokpersonals die Rede ist. Doch was genau ist damit gemeint? Felix Traber erklärt dazu: «Es geht darum, dass die eigenen Handlungen nach einem Ereignis – das kann beispielsweise ein Unfall, eine Fehlhandlung oder eine Störung sein – auch immer selbstkritisch hinterfragt werden.» Die so gewonnenen Erkenntnisse sollen die persönliche Berufserfahrung stärken, damit eine vergleichbare Situation in Zukunft besser gelöst werden kann.

Gute Zukunftsaussichten

Berufsprüfung-Lokführer SBB

Gute Zukunftsaussichten: Lokomotivführerinnen und Lokomotivführer sind gefragte Berufsleute. (©SBB CFF FFS)

Auch wenn der Traumberuf von früher mit der neu geschaffenen Berufsprüfung definitiv in der Bildungs- und Berufswelt von heute angekommen ist, hat der Beruf zweifellos noch etwas von seinem Glanz bewahren können. Wer gerne selbstständig arbeitet, über ein hohes Verantwortungsbewusstsein verfügt und darüber hinaus noch Freude an Technik hat, dürfte weiterhin viel Freude an der Arbeit im Führerstand finden. Zudem sind Lokomotivführerinnen und Lokomotivführer sehr viel unterwegs und haben unregelmässige Arbeitszeiten, was auch seine Vorzüge hat. Und was nicht zu unterschätzen ist: Die Berufsaussichten sind gut. «In den kommenden Jahren wird der Bedarf an Lokpersonal in der Branche insgesamt gross sein – Stichwort Pensionierungen der Babyboomer», sagt Felix Traber. Personalmarketing stünde mit der Berufsprüfung nicht im Fokus, allerdings ist ein spürbarer positiver Effekt wahrscheinlich.

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