Home Office im LBZ: Beratung aus dem Wohnzimmer

5 17. April 2020 / Posted von Drucken

Noch bis am Freitag, dem 13. (!) März 2020 arbeiteten alle Mitarbeitenden des LBZ ganz normal, mit Beginn der folgenden Arbeitswoche änderte sich die Lage schlagartig: Home Office. Und zwar für alle, auch die Beratenden, für die eigentlich nichts selbstverständlicher ist als ihre Kundinnen und Kunden persönlich zu treffen.

von Michael Milz

Remo Berchtold ist Lehrstellencoach am Laufbahnzentrum der Stadt Zürich LBZ und hat in seiner früheren Tätigkeit als Sozialpädagoge auch schon im Home Office gearbeitet – die Situation ist also nicht ganz neu für ihn. Dennoch: Die Umstellung war gross: «Plötzlich waren wir alle digital unterwegs, und ich musste mir von einem Tag auf den anderen den Umgang mit diversen neuen Tools aneignen», erzählt er. Doch mittlerweile laufe das ganz gut. Auch Nadja Roth, Berufs-, Studien- und Laufbahnberaterin am LBZ, musste sich von einem Tag auf den anderen komplett umstellen. Neben der Umstellung auf neue Tools müssen sie und ihr ebenfalls berufstätiger Ehemann das Familien- und Berufsleben neu organisieren – was mit zwei schulpflichtigen Kindern schnell zur logistischen Herausforderung wird.

Fernberatung

Sind im Home-Office angekommen: Sowohl Lehrstellencoach Remo Berchtold …

Die grösste Herausforderung ist für Beratende wie Berchtold und Roth, dass sie ihre Kundinnen und Kunden nicht mehr persönlich beraten können. Bis jetzt sei es aber recht gut gelaufen, sagt Nadja Roth, allerdings warteten noch einige Herausforderungen auf sie. «Bei ausführlichen Laufbahnberatungen etwa zeichne ich ziemlich viel, und das ist in einer Videokonferenz nicht so einfach umsetzbar.»

Kulant und konstruktiv auf beiden Seiten

Die Kundinnen und Kunden gingen aber bisher gut mit der neuen Situation um, «kulant und konstruktiv», wie es Nadja Roth zusammenfasst. Schliesslich seien alle in derselben Situation, Kunden wie Beratende, und so habe sie auch schon eine ganze RAV-Beratung am Telefon durchgeführt.

Gute Erfahrungen macht bisher auch Lehrstellencoach Remo Berchtold mit der neuen Situation; er betreut insgesamt fast 30 Schülerinnen und Schüler sowie junge Erwachsene mit Migrationshintergrund. «Die meisten haben positiv reagiert, als ich ihnen aufgezeigt habe, dass wir verschiedene Tools während der wöchentlichen Coachings einsetzen können und unsere Angebote weiterbestehen würden», sagt er. Nicht zuletzt die Lehrpersonen zeigten sich erfreut, weil sie den regelmässigen Kontakt zu Coaches und Beratenden schätzen.

Tools: So unterschiedlich wie die Kunden

Beim Einsatz der Tools ist indes Flexibilität angezeigt: Um den verschiedenen Kundenbedürfnissen entsprechen zu können, kommen unterschiedliche Tools zum Einsatz: «Je nachdem benutze ich Whatsapp, Facetime, klassische Telefongespräche, E-Mails, Zoom oder auch Microsoft Teams», so Berchtold. Einige seien dabei sehr offen für Videochats, andere bevorzugten Telefon und E-Mail. Gerade bei Jugendlichen mit mangelnden Sprachkenntnissen gelte es, sinnvolle Tools einzusetzen. «So werden Aufträge nicht nur telefonisch besprochen, sondern sie sind über die Hilfsmittel auch sichtbar.»

… wie auch Berufs-, Studien- und Laufbahnberaterin Nadja Roth.

Auch Laufbahnberaterin Nadja Roth setzt verschiedene Tools ein, etwa Openscape, eine stadtinterne Software, die Chats und ein Desktopsharing ermöglicht. Mittlerweile komme sie gut damit zurecht, ebenso ihre Kundinnen und Kunden. «Ein Kunde hat mir zu Beginn der Krise sogar angeboten, mit ihm die für mich noch neuen Tools zu üben», erinnert sie sich schmunzelnd. Ginge es darum, zusammen Dokumente anzuschauen, sei es eher die Sprache als die Technik, die zur Hürde werden könne.

Digitale Tools in der Beratung: Mehrheitlich positive Erfahrungen …

Auch wenn ein Ende der Corona-Krise noch nicht absehbar ist – sowohl Nadja Roth wie auch Remo Berchtold nehmen bisher viel Gutes aus der ungewohnten Situation mit. «Spontaneität, Flexibilität und das Aneignen von neuen Tools sind aus meiner Sicht klar ein Gewinn», sagt Berchtold. Dem schliesst sich Nadja Roth an, ausserdem spüre sie auch kundenseitig eine positive Einstellung zur neuartigen Zusammenarbeit. Zudem wirke sich das Ganze auch positiv auf die Familie aus. «Wir müssen uns zwar gut organisieren», sagt sie. «Aber es schweisst uns auch zusammen.»

… aber der persönliche Kontakt ist nicht ersetzbar

In Zukunft können sich Roth wie Berchtold durchaus vorstellen, vermehrt mit digitalen Hilfsmitteln zu arbeiten – wenn auch nur bedingt. «Der persönliche Kontakt ist sehr wichtig und für mich nicht ersetzbar», sagt Berchtold. Sei aber ein gegenseitiges Vertrauen einmal da, kann er sich vorstellen, ein Coaching oder eine Beratung auch einmal aus der Ferne anzubieten. Ähnlich sieht es Nadja Roth: «Gerade für anspruchsvollen Laufbahnberatungen steht für mich nach wie vor die klassische Face-to-Face-Situation im Fokus», sagt sie. Mit entsprechenden Hilfsmitteln soft- und hardwareseitig sei sie aber durchaus offen.

Dennoch: Froh sind sowohl Roth wie auch Berchtold, wenn sie ihre Arbeit wieder wie gewohnt machen können – auf einer Skala von 1 bis 10 geben sie 8 bis 9 an!

Das Laufbahnzentrum der Stadt Zürich LBZ hilft, berät und unterstützt auch während der Corona-Krise. Kontaktieren Sie uns direkt über unsere Website!

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