Digitalisierung als Chance gepackt

10 24. Januar 2019 / Posted von Drucken

Dass jeder seines eigenen Glückes Schmied sein kann, zeigt die berufliche Laufbahn von Kurt Kern (60), Fachspezialist in einem agilen Netzwerk bei der AXA. Für ihn war die Digitalisierung eine Chance, die er gepackt hat. Mit Beharrlichkeit und Ausdauer hat er seinen Weg gemacht.

aufgezeichnet von Michael Milz (Foto: Artem Sapegin/unsplash.com)

«Nach der Lehre zum Maschinenmechaniker habe ich auf dem Beruf gearbeitet und war zunächst siebenJahre lang auf Montage in Europa und den USA. Danach absolvierte ich noch die Textilfachschule in Wattwil. Nach weiteren fünf Jahren im Kundendienst sah ich mich gezwungen, mich beruflich neu zu orientieren, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Ich fand einen Einstieg bei der Winterthur Versicherung, der heutigen AXA, wo ich dank meines Flairs für Zahlen in der Abteilung Mathematik als Sachbearbeiter «Einzelleben Bestand» arbeitete. Die Abläufe beim Erstellen von Offerten und Anpassen von Policen waren damals sehr aufwändig: Die Versicherungssumme musste jeweils für jeden Kunden individuell und von Hand errechnet werden. Dafür mussten wir jedes Mal ein dickes Buch mit den sogenannten Barwerttabellen zur Hand nehmen, die entsprechenden Werte nachschlagen und dann so die Prämie errechnen.

Hat seinen Weg gemacht: Kurt Kern. (Foto: AXA)

Angesichts dieses Prozederes überlegte ich, ob das nicht auch anders ginge – immerhin hatten wir damals auch schon einen PC im Büro. Um die ganzen Abläufe zu vereinfachen, habe ich dann ein Excel-Programm für die Abteilung geschrieben. Das kam allerdings nicht überall gut an, immerhin nimmt so ein Programm nicht nur Arbeit ab, sondern auch weg. Mit anderen Worten: Plötzlich wurden einige Arbeitsplätze nicht mehr gebraucht. Dass Roboter Stellen eliminieren, war damals schon eine Realität, bevor jemand von Digitalisierung sprach.

Meine Skills als Programmierer habe ich mir selbst beigebracht. Ich habe mit Excel angefangen, mit Access weitergemacht und jetzt programmiere ich Roboter. Weil ein Computer meine Aufgaben in viel kürzerer Zeit erledigt, blieb mir nun mehr Zeit für Projekte. Zudem konnte ich so auch verantwortungsvollere Aufgaben übernehmen, zum Beispiel das Controlling. Diese Veränderungen haben sich insgesamt sehr positiv für mich ausgewirkt. Ich ging wieder sehr gerne arbeiten. Vorher war ich einer von vielen Sachbearbeitern, jetzt bin ich Spezialist im Netzwerkteam.

Das Schöne ist, dass ich meine Karriere und meine jetzige Stelle zu einem guten Teil selbst gestaltet habe – ich habe mir mein Glück selbst erarbeitet. Das möchte ich auch jedem und jeder mitgeben, auch den Jüngeren: Macht etwas und bewegt euch, sonst bleibt ihr stehen! Klar kann ich die Ängste gerade von älteren Arbeitnehmenden um ihre Stelle verstehen. Aber wer immer auf derselben Schiene bleibt, nicht mal nach links und rechts schaut und sich nicht weiterentwickelt, bleibt nicht nur stehen, sondern ist früher oder später auch gefährdet. Denn wer in gewohnten Strukturen – ob jung oder alt – festgefahren ist, hat es umso schwerer, wenn im Betrieb plötzlich umstrukturiert wird.

Dass ich zu den Älteren im Betrieb gehöre, war nie ein Problem. Ich bin vielleicht etwas teurer als ein Junger, aber ich habe nach 23 Jahren im Unternehmen auch ein riesiges Netzwerk und kenne quer durch die Abteilungen praktisch alle Leute. Das macht vieles einfacher, wenn es etwa gilt, ein Problem zusammen mit der IT zu lösen. Weil ich alle diese Leute kenne, können wir schnell etwas zu Faden schlagen. Und das ist – gerade in einem so agilen Umfeld – ein grosser Vorteil.»

Aus Arbeitgebersicht

«Der AXA ist es ein grosses Anliegen, ältere Arbeitnehmende im Unternehmen zu halten – gerade wegen des grossen Erfahrungswissens und ihres Netzwerks», sagt Mediensprecherin Christina Ratmoko. Verschiedene Jobs innerhalb des Unternehmens zu machen, sei für Mitarbeitende gang und gäbe, und entsprechend hoch sei die interne Mobilität: «Wenn Leute schon über 50 sind und beispielsweise schon 20 Jahre bei der AXA sind, dann kennen siedas Unternehmen, und zwar in- und auswendig. Sie kennen die Leute und eben auch all die Prozesse», sagt sie, «und das ist unglaublich wertvoll.» In einem so grossen Versicherungsunternehmen sei das natürlich auch einfacher umzusetzen, weil es hier so viele verschiedene Berufe gibt. Ebenso wichtig sei aber die Durchmischung und Diversität innerhalb der Teams und Abteilungen: «Wir versuchen, wenn immer möglich, einen maximal hohen Grad an Diversität innerhalb der Teams zu achten: Alt und jung, weiblich und männlich, mit und ohne Migrationshintergrund – das mit dem Wissen, dass die Innovationskraft und der Output in Teams mit hoher Diversität hoch ist.»

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