Crowdworking: Jobs der Zukunft oder digitales Prekariat?

2 14. November 2019 / Posted von Drucken

Die zunehmende Digitalisierung ermöglicht auch neue Arbeitsformen wie Crowdworking – eine Arbeitsform, die den Ansprüchen von Flexibilität und Agilität entspricht. Doch Crowdworker/innen sind oft schlecht bezahlt und sozial kaum abgesichert.

von Michael Milz

Agilität, Flexibilität, Just-in-time-Produktion … an Schlagwörtern, die die Arbeitswelt der Zukunft (und teilweise schon der Gegenwart) beschreiben, herrscht kein Mangel. Die Arbeitswelt 4.0, ob schön oder nicht, ist geprägt durch die vierte grosse Revolution: die Digitalisierung, die vieles beeinflusst, was bis vor kurzem noch irgendwie unverrückbar schien – das klassische Arbeitsverhältnis etwa: Festanstellung mit monatlichem Fixlohn, 40-Stunden-Woche, Sozialleistungen usw.

Weil sich die Bedürfnisse und Ansprüche von Wirtschaft und Gesellschaft in den letzten 20 bis 30 Jahren massiv verändert haben – Individualisierung statt Massenbearbeitung (vgl. Interview mit Felix Frei) -, tun sich Möglichkeiten für neue, beweglichere Arbeitsverhältnisse auf. Crowdworking etwa, das gelegentlich auch als Microtasking bezeichnet wird.

Was ist eigentlich Crowdworking?

Kurz zusammengefasst bedeutet Crowdworking, dass Auftraggeber, sprich: Firmen und Unternehmen, Personal nicht fest anstellen, sondern nur projektbezogen – Projekte werden aufgeteilt, und die Klein- und Kleinstaufträge via Internet an freischaffende Arbeitskräfte vergeben. Diese Microjobs können dann in der Regel zeit- und ortsunabhängig ausgeführt werden.

Die Aufträge werden meist über spezialisierte Plattformen wie TestingTime ausgeschrieben. Oft geht es dabei um das Testen von Produkten, etwa von Apps oder Webseiten.

Gefahr der digitalen Prekarisierung

Klingt so weit nicht uninteressant und vor allem auch sehr zeitgemäss und kompatibel mit der Arbeitswelt 4.0. Doch Crowdworking hat auch eine Schattenseite: Oft arbeiten Crowdworker/innen zu sehr tiefen Honoraren, zudem fehlen in solchen Arbeitsverhältnissen oft Verträge, Versicherungen oder ein Kündigungsschutz. Angesichts solcher Arbeitsbedingungen droht eine sog. digitale Prekarisierung.

Fazit

Crowdworking als Arbeitsform ist zwar auf die Bedürfnisse der Arbeitswelt 4.0 zugeschnitten. Das ist vor allem für die Auftraggeberseite interessant. Auf der anderen Seite lauert für die Arbeitnehmenden die Gefahr einer Prekarisierung. Interessant ist Crowdworking – zumindest vorderhand – nur für Leute, die sich etwas dazu verdienen möchten und offen für neue Arbeitsformen sind.

 

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