Besuch bei Betty Bossi

10 21. Januar 2016 / Posted von Drucken

Power-Häxler, Shake & Bake oder das Knusperblech: Die Industriedesigner und Produktentwicklerinnen bei Betty Bossi arbeiten unermüdlich an formschönen und praktischen Dingen fürs lustvolle Kochen und Haushalten. An einem Seitenwechsel-Schnuppertag erhielt die Autorin einen Einblick in das Universum Betty Bossi.

von Julia Weber

Betty Bossi gehört einfach dazu. Fast alle haben Betty-Bossi-Kochbücher im Regal stehen und fast alle haben sich schon einmal über die durchdachten Küchen- und Haushalthilfen gefreut – oder gewundert. Doch wie arbeitet man eigentlich in dem Unternehmen, das die Schweizer Küche(n) so geprägt hat?

Im Rahmen des Weiterbildungsprogramms «Seitenwechsel» absolvieren Mitarbeitende des Laufbahnzentrums ein- oder mehrtägige Arbeitseinsätze oder Einblick-Tage bei selbst gewählten Arbeitgebern. Dieser Perspektivenwechsel gibt ihnen Gelegenheit, ihr Wissen über eine Branche und deren Berufe zu erweitern und das Bild, das sie von der beruflichen Praxis haben, zu aktualisieren. Julia Weber verbrachte einen Tag bei Betty Bossi in der Produktentwicklung und berichtet in diesem Beitrag über ihre Eindrücke.

Im Betty-Bossi-Hauptsitz in Zürich Enge geht es in der ersten Sitzung um neun Uhr morgens schon zum ersten Mal ums Essen. Im Sitzungszimmer stellt Designerin Femke Morf eine Schale vor, in der auf dem Grill Beilagen zubereitet werden können. Diese Schale wird bereits produziert und wird nächstes Jahr auf den Markt kommen. Wie bei Betty Bossi üblich, werden auch zu diesem Produkt passende Rezepte entwickelt. Gesucht sind Gerichte, die sich optimal in der Schale zubereiten lassen. Die Kulinarische Beraterin Ursina Schärer hat bereits getestet, welche Zutaten sich eignen, die Designerin schildert die Idee hinter der Schale und die Marketingverantwortliche weist darauf hin, dass die Gerichte farblich zusammen passen müssen, damit schöne Fotos für die Betty-Bossi-Zeitung aufgenommen werden können. Auf diesen Grundlagen werden von Schoggibananen über Gratins bis zu gefülltem Gemüse Ideen diskutiert. Dann verabschiedet sich Koch und Rezeptredaktor Felix Seewald, um die Details auszuarbeiten, die Gerichte zu testen und die Rezepte zu schreiben.

Viele Betty-Bossi-Rezepte werden in Filmen vorgestellt:

Bei Betty Bossi sind die Designer auch Produktmanager, erklärt Valentin Engler. Der Produkt- und Industriedesigner leitet ein kleines Team in der Produktentwicklung. Jeder Produktmanager ist für seine Artikel von der Idee bis zum Verkauf verantwortlich. In ihren Büros herrscht kreatives Chaos: Prototypen, Ideen und Anschauungsmaterial stapeln sich durcheinander.

Design ist auch Teamarbeit: In einer nächsten Sitzung steht offenes Brainstorming auf dem Programm. Es geht um erste Ideen für neue Produkte. In dieser Phase wird laut über alles nachgedacht: Soll man Früchte, Schokolade oder Fleisch verarbeiten können? Geht es um Teig oder ein Nahrungsmittel mit fester Konsistenz? Soll das Produkt aus Plastik, Silikon oder Edelstahl hergestellt werden? Zu welcher Jahreszeit soll ein Produkt passen, zu welchem Anlass? Ist es ein Produkt, von dem eine hohe Stückzahl abgesetzt werden muss, oder ist es ein Nischenprodukt, das eine bestimmte Gruppe guter Kunden und Kundinnen erfreut? Neben den Produktentwicklerinnen beteiligen sich auch ein Kulinarischer Berater und eine Marketingfachfrau an der Entscheidung, ob Ideen weiterverfolgt werden oder nicht.

Die kreative Arbeit erfordert Geduld und Struktur von den Designern. Sie müssen ihre Ideen und Assoziationen in Worte fassen können, um Gedanken von anderen weiterzuspinnen und zu perfektionieren. Dabei dürfen sie das Ziel einer umsetzbaren Idee nicht aus den Augen verlieren. Inspirieren lassen sich die Produktentwicklerinnen immer und überall. Sie gehen in Läden, wälzen Kataloge, besuchen internationale Messen. Oft finden sie Ideen im Ausland. Sie besuchen aber auch regelmässig private Haushalte in der Schweiz, wo sie in alle Schränke gucken und sich erzählen lassen, welche Küchen- und Haushaltartikel gern gebraucht werden, und welche verstauben.

Pro Jahr werden bei Betty Bossi über hundert Produkte neu herausgebracht, erklärt Valentin Engler, etwa die Hälfte davon sind Eigenentwicklungen. Das ist deutlich mehr als noch vor einigen Jahren. Mit dieser Strategie soll dem veränderten Umfeld Rechnung getragen werden: Nach wie vor werden zwar viele Produkte über die Betty-Bossi-Mailings verkauft, in der die Neuheiten und dazu passende Rezepten vorgestellt werden. Doch das Onlinegeschäft nimmt an Bedeutung zu. Und im Webshop ist es wichtig, dass jederzeit für jeden Zweck passende Artikel verfügbar sind. Für die Präsentation der Produkte und Rezepte auf den verschiedenen Kanälen sorgen die Stylistinnen, Redaktorinnen und Fotografen. Für die Bilder wird jedes Gericht in der Betty-Bossi-Küche frisch gekocht, natürlich angerichtet, gefilmt und fotografiert.

Am Nachmittag steht das Briefing der Kundenberatung auf dem Programm. Damit die Mitarbeitenden des Kundenservice alle Fragen der Kundschaft beantworten können, stellen Produktmanager Valentin Engler und Ursina Schärer ihnen die Artikel einzeln vor, die neu auf den Markt gebracht werden. Die Kundenberaterinnen müssen die Gebrauchsanweisung jedes Produkts kennen und allfällige Lösungen für mögliche Probleme vorbereiten. In der Sitzung versuchen sie, die Reaktionen der Kundinnen und Kunden vorwegzunehmen und stellen kritische Fragen. Auch beim Kochen lässt Betty Bossi nicht allein: Das kulinarische Beratungsteam hilft bei allen Fragen rund ums Kochen und Haushalten.

Wenn ein Produkt in den Verkauf geht, bleibt für die Produktmanager die spannende Frage, wie ihre Entwicklungen bei der Kundschaft ankommen. Designer Valentin Engler selber hat natürlich auch seine Favoriten: Einsteigern empfiehlt er den Spätzli-Blitz und den Folienschneider Zack.

Titelbild: © Betty Bossi AG

1 Kommentar

  • Ulrike Laubner 1. Juni 2017 - 8:09 Antworten

    Super, die Kunden und potentiellen Kunden für Innovationen zu Hause zu besuchen, dabei in die Schränke zu schauen und in gewohnter Umgebung über das zu Reden, was gut ist und was noch benötigt werden könnte, weil es hier und da doch immer wieder ein Problemchen gibt oder noch mehr Kreativität gewünscht wird.

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