Selbstmarketing in sozialen Netzwerken

9 16. Dezember 2016 / Posted von Drucken

Ob beim Karrieresprung oder bei der Suche nach einer neuen Stelle – viele berufliche Kontakte kommen heute über die Social-Media-Plattformen Xing und LinkedIn zustande. Ein laufend aktualisiertes Social-Media-Profil hilft bei der Stellensuche wie beim Karrieresprung und ist ein gern genutztes Selbstmarketing-Instrument.

von Caterina Melliger

Spätestens bei der Stellensuche setzen sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit ihrem Selbstmarketing auseinander. Selbstmarketing – das bewusste Hervorheben der eigenen Stärken und Erfolge – kann im Bewerbungsprozess den Ausschlag in Richtung Traumstelle geben. Am effektivsten in Sachen Selbstvermarktung verspricht das Netzwerken auf Social-Media-Plattformen wie Xing und LinkedIn zu sein. Einerseits kann ein Stellensuchender über diese Kanäle von Personalvermittlern gefunden werden, andererseits ist es dort möglich, sich mit Arbeitnehmenden aus der gleichen Branche zu vernetzen und das eigene mit anderen Profilen zu vergleichen.

Welches Netzwerk eignet sich für wen?
Die zwei wichtigsten sozialen Netzwerke mit beruflicher Ausrichtung sind LinkedIn und Xing. Im deutschsprachigen Raum galt lange das deutsche Xing als führend, während die US-amerikanische Social-Media-Plattform LinkedIn mit 400 Mio. Nutzern die globale Vorherrschaft bei den Businessnetzwerken hat. In der Schweiz hat LinkedIn (1,8 Mio.) bereits mehr als doppelt so viele Mitglieder wie Xing (800 000). Doch auch im gesamten deutschen Sprachraum gewinnt LinkedIn rasant an Bedeutung und könnte Xing, so der Tenor vieler Experten, den Rang ablaufen. Vor allem Grosskonzerne wie ABB, CS oder UBS rekrutieren auf LinkedIn, während Xing mehr von KMUs genutzt wird. Bei welchem Businessnetzwerk ein Profil erstellt wird, ist also in erster Linie eine Frage der bevorzugten Branche und Unternehmensgrösse.

Anna Vollenweider, Referentin in der vom Laufbahnzentrum organisierten Veranstaltung «Social Media im Bewerbungsprozess», empfiehlt der Verbreitung in der Schweiz und der Internationalität wegen, ein Profil auf LinkedIn zu erstellen. Vollenweider ist beim Bildungszentrum des Schweizerischen Arbeiterhilfswerk SAH in Zürich tätig, und führt Workshops zum Thema Profilerstellung auf beiden Businessnetzwerken. Hauptzielgruppe der beiden Plattformen seien Arbeitnehmende in MINT-Branchen, also in Berufen in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, erklärt Anna Vollenweider. Aber auch Stellensuchende aus dem Dienstleistungssektor kommen nicht mehr ums Netzwerken auf Xing und LinkedIn herum. Vor allem wer Karriere machen will, muss gut vernetzt sein.

Andere Branchen, andere Sitten
Vergleichbare Plattformen für Berufe im Handwerk, im Baugewerbe oder in der Pflege existieren noch nicht. In diesen Berufsgruppen sind die klassischen Bewerbungen, also in Papierform oder per Mail, gebräuchlich. Allerdings bieten sich, nach amerikanischem Vorbild, für Berufsleute und Betriebe aus dem Handwerk immer mehr Handwerker-Online-Plattformen wie Renovero an, wo Firmen und Private Auftragsarbeiten ausschreiben und nach Ausführung bewerten. Stellensuchenden in diesen Berufsfeldern wird jedoch in erster Linie empfohlen, ein Account bei Online-Stellenportalen wie Jobagent, Jobs.ch oder Indeed einzurichten. Dort werden ausgeschriebene Stellenangebote gesammelt, aufgeschaltet und mit einem Link verbunden.

Workshops zum Thema Profilerstellung
Ein Profil auf einer der beiden Plattformen zu erstellen ist auf den ersten Blick nicht schwer. Doch wie beim klassischen Lebenslauf gibts auch hier einige Dos and Don’ts zu berücksichtigen: Angefangen beim professionellen Bewerbungsfoto, über die Kurzbeschreibung der aktuellen Position, die Aufzählung der Projekte und Erfolge bis hin zu den beruflichen Kontakten, wobei nicht die Anzahl Kontakte, sondern deren Qualität entscheidend ist. Wem das Erstellen eines Profils schwerfällt, kann sich Inputs in einem Seminar holen. Das Schweizerische Arbeiterhilfswerk SAH bietet Workshops an, bei denen nicht nur das Erstellen des Profils, sondern auch dessen Bewirtschaftung, das Vernetzen mit anderen Social-Media-Nutzern und die Teilnahme an Foren Schritt für Schritt erklärt werden.

Employer Branding
Social-Media-Nutzer sollten sich auch mit den Social-Media-Auftritten von Unternehmen auseinandersetzen, die Marketing im grossen Stil betreiben. Dazu entwickeln Personalverantwortliche gemeinsam mit den Kommunikationsabteilungen entsprechende Marketing-Strategien. Zum einen, um immer mehr Arbeitskräfte auf sich aufmerksam zu machen, zum anderen, um das Unternehmen als «bevorzugten Arbeitgeber» zu positionieren. Das Stichwort heisst hier Employer Branding, also der Aufbau und die Pflege einer Arbeitgebermarke. Im Social Web werden Texte, Bilder und Videos gepostet und Links auf die eigene Website veröffentlicht. Unkompliziert können so erste Informationen über eine Firma eingeholt werden. Um sich einen objektiven Überblick über das Image eines potenziellen Arbeitgebers zu verschaffen, empfehlen sich Firmen-Bewertungsportale, bei denen mehr Transparenz gegeben ist. Mitarbeitende und ehemalige Angestellte geben in Erfahrungsberichten Auskunft zu Arbeitsatmosphäre, Work-Life-Balance, Gehalt und Benefits. Eines von vielen Bewertungsportalen ist Kununu, inzwischen ein Tochterunternehmen von Xing. Kununu ist in Österreich, wo es entwickelt wurde, und Deutschland verbreitet. In der Schweiz werden noch sehr zögerlich Einträge von Mitarbeitenden verfasst.

Ob Arbeitnehmende, Grossunternehmen oder KMU: Sowohl bei der Stellensuche als auch der Personalrekrutierung kommt niemand mehr ums Netzwerken auf Social-Media-Plattformen sowie um die Selbstvermarktung herum.

• Ein Abriss über berufliche Social-Media-Plattformen und eine Anleitung zur Profilerstellung sind zu finden im Buch «Selbstmarketing im Social Web – Erprobte Strategien für die eigene Karriere» von Alexander Scheel und Heike Steinmetz, Springer 2015.

• Workshop «Social Media im Bewerbungsprozess»: www.sah-zh.ch/angebote/experts

• Arbeitgeberbewertungsportal: www.kununu.com/ch

 

 

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