Mobil machen für Lohngleichheit

12 1. Juli 2016 / Posted von Drucken

Die Unterschiede zwischen den Löhnen von Frauen und Männern haben sich in den letzten Jahren verringert. Es gibt sie aber immer noch. Das «Lohnmobil» ist unterwegs mit dem Ziel, die Bevölkerung für Lohnungleichheit zu sensibilisieren. Die Wanderausstellung greift lohnrelevante Aspekte spielerisch auf und regt zum Nachdenken an.

von Jürg Mühlemann

Vor 25 Jahren war Frauenstreiktag. Zehn Jahre davor wurde in der Verfassung der Gleichstellungsartikel verankert. Als die Jahre verstrichen, ohne dass Ungleichheiten eliminiert oder antiquierte Rollenbilder dekontaminiert worden wären, regte sich Widerstand. Den Stein ins Rollen brachten Uhrenarbeiterinnen aus dem Vallée de Joux. Bei der Genfer Gewerkschafterin Christiane Brunner äusserten sie ihren Unmut über die unveränderte Lohndiskriminierung. Gewerkschaften und regionale Komitees mobilisierten schliesslich zum Streiktag im Jahr 1991. Seither hat sich einiges bewegt. Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern sind kleiner geworden, aber immer noch vorhanden.

Forderung nach Lohnkontrollen
1996 wurde das Gleichstellungsgesetz in Kraft gesetzt. Nach diesem gelten Lohnunterschiede, für die es keine objektiven Erklärungen gibt, als Lohndiskriminierung. Auf Basis des Gesetzes können Lohnklagen angestrengt werden. Dass Diskriminierte die Lohngleichheit mit teuren Klagen vor Gericht erkämpfen müssen, ist allerdings in den Augen der Frauenorganisationen und Gewerkschaften kein gangbarer Weg. Deshalb werden heute unter anderem Lohnkontrollen gefordert.

Das feuerrote Lohnmobil
Mit Themen rund um den ungleichen Lohn befasst sich das «Lohnmobil», ein roter Frachtcontainer, der seit April in Deutschschweizer Städten unterwegs ist. Mit der Wanderausstellung, die zahlreiche Informationen zur Lohngleichheit zwischen Frau und Mann bietet, soll die Bevölkerung für das Thema sensibilisiert werden. Die Veranstalterinnen sind überzeugt, dass jede und jeder im Alltag dazu beitragen kann, dass die Lohngleichheit verwirklicht wird.

Bild: www.alfredkueng.de

Bild: www.alfredkueng.de

Teilzeitmänner
Über die Innenwand des Wohnmobils spannt sich eine Infotafel, die Fakten zur Lohnungleichheit ansprechend abbildet. Themen, die auf der Wand vorkommen, sind etwa Familienmodelle, die Familienfreundlichkeit von Unternehmen, der Wiedereinstieg, die Zertifizierung von Ausbildung oder Teilzeit arbeitende Männer, wobei provokant gefragt wird, ob Teilzeitmänner echte Männer seien. Laut einer aktuellen Studie möchten 9 von 10 Männern ihre Erwerbstätigkeit reduzieren, um eine bessere Work-Life-Balance zu finden. Bei der Umsetzung scheint es allerdings zu hapern.

Spielerisch begreifen
Auf dem Platz vor dem Lohnmobil stehen mehrere Themenwürfel, die zum spielerischen Mitmachen anregen und Aspekte der Lohnungleichheit greifbar machen. So repräsentieren etwa Gewichtssteine verschiedene Tätigkeiten wie Putzen, Konstruieren oder Kinder erziehen. Es ist an der Besucherin, den Preis für die einzelnen Tätigkeiten zu gewichten.

Bild: www.alfredkueng.de

Bild: www.alfredkueng.de

Jugendliche sensibilisieren
Die Wanderausstellung «Lohnmobil» eignet sich gut für Schulklassen. Schüler und Schülerinnen, die sich im Berufswahlprozess befinden, können sich mit den Zusammenhängen zwischen dem gewählten Beruf und dem späteren Lohn auseinandersetzen. Die Ausstellung soll bei den Jugendlichen auch das Bewusstsein dafür schärfen, inwiefern das Einkommen mehrere Lebensbereiche beeinflusst. Als Vorbereitung für den Besuch können auf der Website des Vereins Lohnmobil verschiedene Unterrichtsmaterialen abgerufen werden: http://lohnmobil.ch/schule/

Tricks fürs Lohngespräch
Für Angestellte bietet das «Lohnmobil» Kurzberatungen zu Lohnfragen an. Frauen erhalten Tipps und Tricks für das Lohngespräch. Daneben finden Workshops statt, zum Beispiel für HR-Fachpersonen und weitere Lohnverantwortliche im Unternehmen. In diesen Workshops wird etwa untersucht, ob die Lohnpraxis des jeweiligen Unternehmens die Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern einhält.

Die weiteren Stationen des «Lohnmobils» sind St. Gallen, Wil, Herisau, Basel und Baden. Details zur Tournee finden Sie hier: http://lohnmobil.ch/tour/

 

Titelbild: www.alfredkueng.de

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