Langer Schulweg für Interactive Media Designers

18 8. März 2017 / Posted von Drucken

Seit knapp drei Jahren gibt es die berufliche Grundbildung Interactive Media Designer EFZ. Deutschschweizer Lernende besuchen die Berufsfachschule in St. Gallen, Bern oder Basel. Für Lernende aus Zürich bedeutet dies einen etwas längeren Schulweg. Im Hinblick auf die grosse Bedeutung des Kantons Zürich in der Schweizer Designwirtschaft ist dies erstaunlich.

von Jürg Mühlemann

Vor drei Jahren haben wir hier über die Grundbildung Interactive Media Designer EFZ berichtet. Damals gab es offene Fragen in Bezug auf die Standorte der Berufsfachschule. Gesetzt in der Deutschschweiz waren Basel, Bern und St. Gallen. Zürich war nicht als Berufsfachschulstandort vorgesehen, was viele verwunderte. Nach wie vor kann Zürich keinen Berufsfachschulunterricht für Interactive Media Designers anbieten, was auf die zu geringe Zahl von Lehrverhältnissen zurückzuführen ist. Die wenigen Lernenden, die in einem Lehrbetrieb im Kanton Zürich ausgebildet werden, besuchen die Berufsfachschule ausserkantonal.

Von den 37 Lernenden im 1. Lehrjahr besuchen 14 Lernende die Berufsfachschule in Bern, 10 in St. Gallen, 4 in Basel und 9 in Lausanne. In diesen Zahlen nicht enthalten sind die an einer Vollzeitschule in der Westschweiz ausgebildeten Interactive Media Designers.

Fehlende Ausbildungstradition
Die Nachfrage nach Lehrstellen ist auch im Kanton Zürich gross, doch die im Bereich Video, Social Media und Web Development tätigen Betriebe tun sich schwer damit, Lernende auszubilden. Dies mag einerseits daran liegen, dass in diesem neuen Teilbereich der visuellen Gestaltung keine Ausbildungstradition existiert. Laut Jonas Schudel, Mitglied der Schulleitung an der Berufsschule für Gestaltung Zürich, ist man sich in dieser Branche nicht gewöhnt, den eigenen Nachwuchs nachzuziehen.

Die Zurückhaltung bei den Firmen könnte aber auch mit dem fehlenden Berufsfachschulstandort zusammenhängen. Beat Kneubühler, Ressortleiter Berufsbildung bei Viscom, schätzt das Potenzial im Kanton Zürich auf 15 bis 20 Lehrstellen pro Jahr. Wieso nicht mehr Betriebe die Chance nutzen, kann Kneubühler auch nicht genau sagen. Es sei ein bisschen wie bei der Huhn-Ei-Frage. Wollen Zürcher Medienagenturen keine Lernenden einstellen, weil eine Berufsfachschule in der Nähe fehlt? Oder konnte der Schulstandort Zürich bisher nicht umgesetzt werden, weil in der Umgebung Betriebe fehlen, die ausbilden?

Firmen für die Ausbildung von Lernenden gewinnen
Was den Berufsfachschulstandort Zürich angeht, ist man nach wie vor bemüht, eine Lösung zu finden. Die Trägerschaft versucht, Betriebe für die Ausbildung von Interactive Media Designers zu gewinnen. Man ist daran, ein Projekt zu lancieren, in dessen Rahmen potenzielle Lehrbetriebe begleitet werden können. Gleichzeitig sind die Vertreter der Trägerschaft im Gespräch mit dem Berufs- und Mittelschulamt des Kantons Zürich mit der Absicht, dem Schulort Zürich den Weg zu ebnen. Optimistischen Prognosen zufolge könnten Lernende in diesem zukunftsträchtigen Beruf bereits ab 2018 auch in Zürich unterrichtet werden können.

Potenzielle Lehrbetriebe finden auf der Website des Mittelschul- und Berufsbildungsamts neben wichtigen Informationen auch die nötigen Formulare. Unter anderem steht dort das Gesuch zur Verfügung, das für eine Bildungsbewilligung eingereicht werden muss.

Innovative Ausbildungsbetriebe
Aus dem Mangel an ausbildenden Kommunikationsagenturen im Bereich der interaktiven Gestaltung sind im Kanton Zürich ganz besondere Ausbildungsbetriebe entstanden: Der Verein ContentMakers in Brüttisellen ist ein staatlich anerkannter Lehrbetrieb, der ausschliesslich von Lernenden und Praktikanten geführt wird. Seit 2008 werden dort Mediamatiker ausgebildet, seit 2010 Kaufleute und seit 2015 auch Interactive Media Designers. Im Betrieb wird Wert gelegt auf Eigenverantwortung, Teamarbeit und gegenseitige Unterstützung der Lernenden und Praktikanten. Die ehrenamtlich arbeitenden Coaches, Berufsbildner und Fachspezialisten begleiten und unterstützen sie dabei. Ganz ähnlich wird bei secondfloor.education in Zürich gearbeitet. Aufträge in Film/Video, Web Development und Social Media werden ebenfalls exklusiv von Lernenden bearbeitet, wobei man sich am Prinzip der Sharing Economy orientiert.

Es ist zu hoffen, dass die innovativen Beispiele Nachfolger finden und auch „normale“ Firmen in dieser jungen Branche dazu anspornen, Berufsleute auszubilden.

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