Interactive Media Designer EFZ

35 21. Februar 2014 / Posted von Drucken

Im August 2014 startet die Grundbildung Interactive Media Designer EFZ. Damit wird in der Branche der visuellen Kommunikation eine Lücke geschlossen. Die Schulstandorte in der Deutschschweiz sind festgelegt: Basel, Bern und St.Gallen. Jetzt geht es darum, zusätzliche Lehrbetriebe dafür zu gewinnen, diesen Beruf auszubilden.

von Jürg Mühlemann

Eine neue Grundbildung? Nicht ganz, denn im Grunde genommen handelt es sich beim Interactive Media Designer um die Nachfolgeausbildung des Multimediagestalters. In der Romandie wird dieser Beruf (frz. Concepteur/Conceptrice en multimédia) seit 16 Jahren ausgebildet, bisher jedoch ausschliesslich an Vollzeitschulen in Fribourg, La Chaux-de-Fonds, Lausanne und Genf. Gemäss der Statistik der beruflichen Grundbildung des BfS bestanden 2012 insgesamt 228 Lehrverträge. Insgesamt wurden bis heute rund 750 Fähigkeitszeugnisse abgegeben.

Bei der Reform der Grundbildung Multimediagestalter/-in ging es auch um Formales: Das vorläufige Reglement vom November 2002 musste in eine Bildungsverordnung und einen Bildungsplan überführt werden, die dem Berufsbildungsgesetz vom 1.1.2004 entsprechen. Nach zwei Jahren intensiver Arbeit seitens der Reformkommission wurde die neue Bildungsverordnung letzten Herbst vom SBFI erlassen. Bei der Ausarbeitung der neuen Grundlage hat die Arbeitsgruppe stark von den Westschweizer Kollegen profitiert. Es sei gelungen, das bewährte Ausbildungskonzept der Westschweizer Gestaltungsschulen zu schärfen und zu optimieren.

Getragen wird das neue Berufsbild von der Paritätischen Berufsbildungsstelle für Berufe der visuellen Kommunikation PBS, vom Schweizerischen Verband für visuelle Kommunikation Viscom sowie von den Gewerkschaften syndicom und syna. Neu gegründet wurde vor gut einem Monat der Trägerverein Swiss Interactive Media Design SIMD. Dessen Aufgaben sind, Berufsbilder im Bereich der interaktiven Medien zu entwickeln, zu fördern und zu bewirtschaften, entsprechende Weiterbildungsprojekte zu unterstützen, den Wissensaustausch im Bereich der interaktiven Medien zu fördern sowie Unternehmen zu vernetzen, die in diesem Bereich tätig sind. Nicht zuletzt ist der Trägerverein für die Promotion des neu konzipierten Berufsbilds zuständig.

Berufsbild
Interactive Media Designers arbeiten mit statischen und animierten Bildern, Texten und Infografiken, mit Audio und Video sowie mit 3D. Aus diesen „Rohstoffen“ konzipieren, gestalten und erstellen sie interaktive digitale Kommunikationsmittel: Websites, Apps, elektronische POI-/POS-Auftritte (Point of Interest bzw. Point of Sales), Trailer, soziale Netze, soziale Foren und – darüber hinaus – heute noch nicht existierende Kommunikationsmittel. Zu ihren Aufgaben gehört es auch, diese Kommunikationsmittel auf verschiedene Kommunikationssysteme zu übertragen. Das können Mobiltelefone, Tablets, Bildschirme oder interaktive Displays sein.

Neue Medien wie Websites, Apps oder animierte Bilder für das Smartphone stellen andere Ansprüche an die Gestalterin als Drucksachen. Grafikerinnen müssen sich unter anderem auch mit Drucktechniken auskennen und abschätzen können, wie Farben auf dem Papier wirken, während Interactive Media Designers beispielsweise die verschiedenen Displayformate im Auge behalten müssen. Ähnliche Unterschiede sind etwa in der Fotografie auszumachen: Sowohl analoges als auch digitales Fotografieren setzen gestalterische Kompetenzen und technisches Know-how voraus, doch die Schwerpunkte sind unterschiedlich gelagert: Der „Analogfotograf“ kennt sich mit Chemikalien aus, die es für das Entwickeln braucht, während die „Digitalfotografin“ für die nachträgliche Bildbearbeitung am Bildschirm eine Reihe von Kniffen auf Lager hat.

Auch wenn es gemeinsame Schnittmengen mit den Grundbildungen Grafikerin, Polygraf, Mediamatikerin und Informatiker gibt, handelt es sich klar um einen eigenständigen Beruf. Während Grafikerinnen und Polygrafen primär für Printprodukte tätig sind, produzieren Interactive Media Designers ausschliesslich für Bildschirmanwendungen. Das neu konzipierte Berufsbild Interactive Media Designer schliesst eine Lücke auf der Grundbildungsstufe, die im Zuge der Entwicklung der neuen Medien in der beruflichen Grundbildung entstanden ist. Keine der genannten Lehren, so die Trägerschaft, soll durch das Berufsbild in irgendeiner Form bedrängt werden. Der Wettbewerb werde über die Zukunft der Grundbildungen im Bereich der visuellen Kommunikation entscheiden.

Gebraucht werden Interactive Media Designers überall dort,  wo digitale Medien bewirtschaftet werden: in Online- und Werbeagenturen, auf Radio-, Fernseh- und Online-Redaktionen, in Grafikateliers oder in Kommunikationsabteilungen grosser Unternehmen.

Englischer Titel
Aufmerksamen Lesern und Leserinnen wird aufgefallen sein, dass bei der Benennung des Berufs hier noch nie die weibliche Endung -in verwendet wurde. Das hat damit zu tun, dass die Berufsbezeichnung englisch ist. Sie wurde so vom SBFI genehmigt. Folglich lautet die weibliche Form „Interactive Media Designer“, die Mehrzahl „Interactive Media Designers“.

Apropos Englisch: An der Berufsfachschule gehört diese Fremdsprache zu den unterrichteten Fächern im 1. und 2. Lehrjahr. Im 3. und 4. Lehrjahr findet ein Teil des Fachunterrichts auf Englisch statt. Das können zum Beispiel auch Diskussionen mit Referenten und Referentinnen sein. Den Englischkenntnissen wird in diesem Beruf viel Gewicht beigemessen.

Berufsfachschulen
Interactive Media Designers, die ihre Grundbildung 2014 beginnen, werden, was die Deutschschweiz angeht, in den Berufsfachschulen Basel, Bern und St.Gallen unterrichtet. Neben diesen drei Städten wurde bei der zuständigen Kommission der Schweizerischen Berufsbildungsämterkonferenz auch Zürich als Schulstandort beantragt. Zürich kriegte aber wider Erwarten den Zuschlag nicht, was teils mit fehlenden Lehrverträgen zu tun hat, aber auch an kantonalen Sparanstrengungen liegen mag. Die Trägerorganisationen jedenfalls sind zuversichtlich, dass Lernende Interactive Media Designers mit Lehrbetrieb in und um Zürich spätestens 2015 nicht mehr ausserkantonal beschult werden müssen. Peter Theilkäs, Ressortleiter Berufsbildung beim Branchenverband Viscom sowie Geschäftsführer von SIMD, verspricht, alle Hebel in Bewegung zu setzen, sobald genügend Zürcher Betriebe ihr Interesse und ihre Bereitschaft bekundet haben, Lernende auszubilden.

Ebenfalls abgeklärt wurde das Potenzial in Aarau und Luzern. Man kam jedoch zum Schluss, dass es dort noch zu früh ist für die Eröffnung einer Berufsfachschulklasse. In der Westschweiz ist ein Schulstandort für die duale Ausbildung geplant. Fribourg, Genf, La Chaux-de-Fonds und Lausanne kommen in Frage, also eine der Schulen, die seit über zehn Jahren Multimediagestalter im Rahmen einer Vollzeitschule ausbilden. Die schulische Vollzeitausbildung wird an allen vier Standorten weiterhin angeboten. Frühestens 2015 ist zudem Bellinzona als Schulstandort vorgesehen.

Der Berufsfachschulunterricht findet im 1. und 2. Lehrjahr an zwei Tagen pro Woche statt. Im 3. und 4. Lehrjahr noch an einem Tag pro Woche.

Die Ausbildung sieht zudem fünf überbetriebliche Kurse zu je vier Tagen vor. Diese werden in den drei ersten Lehrjahren vermittelt und umfassen diese Themen: Fotografie/digitale Bilder, Frontend I (Website erstellen), Frontend II (App erstellen), 3D/Animation, Audio/Video.

Lehrstellenpotenzial bei weitem nicht ausgeschöpft
Bauchweh bereitet den Trägern des Berufsbilds der Mangel an Lehrbetrieben, die sich schon bereit erklärt haben, Interactive Media Designers auszubilden. Das liegt laut Peter Theilkäs teils daran, dass das duale System der Berufsbildung in den Betrieben der „neuen“ Branchen wie Online- und Werbeagenturen zu wenig bekannt sei. In dieser Branche seien viele Berufsleute tätig, die sich ihr Wissen durch learning-on-the-job angeeignet haben. Es gehe nun darum, dieses Wissen im Rahmen einer strukturierten Berufsausbildung weiterzugeben und damit einen Beitrag zur Qualitätssicherung in der Branche zu leisten. SIMD gibt aber auch zu, dass man mit dem Lehrstellenmarketing relativ spät angefangen habe. Das Akquirieren von Lehrbetrieben ohne die Gewissheit, dass die Bildungsverordnung vom SBFI genehmigt wird, erschien jedoch zu riskant.

Für potenzielle Lehrbetriebe gelten die gleichen Voraussetzungen wie bei allen anderen Grundbildungen auch: Sie müssen über qualifizierte Mitarbeitende im entsprechenden Bereich verfügen, Aufträge im interaktiven Bereich mit konzeptionellen und gestalterischen Elementen nachweisen können und eine geeignete Infrastruktur bereitstellen. Angesprochen sind selbstverständlich Betriebe, die bereits interaktiven Kommunikationsmittel konzipieren und umsetzen.

Betriebe, die ausbilden möchten, finden auf der Website des Berufsbildungsamts entsprechende Formulare. Um zu einer Bildungsbewilligung zu kommen, muss ein Gesuch eingereicht werden. Für die Bildungsverantwortlichen von ausbildenden Betrieben führt SIMD im Frühling 2014 in Basel, Bern und St.Gallen Instruktionsveranstaltungen durch.

9 Kommentierte

  • Silvia Fröhlich 21. Februar 2014 - 16:36 Antworten

    Danke für diesen ausführlichen Artikel zum Stand des Wissens – hilfreich für mich als Berufsberaterin. Merci

  • Silvio Imhof 26. Februar 2014 - 15:31 Antworten

    Die Abgrenzung zum Beruf Mediamatiker sehe ich nicht ganz klar. Wir sehen da ganz viele gemeinsame Schnittmengen.
    Wir sind eine Berner Full-Service-Agentur. Bei uns arbeiten sowohl Grafiker, Informatiker und Mediamatiker. Wir bilden schon länger Mediamatiker aus. Diese produzieren bei uns auch vor allem Bildschirmanwendungen und sind im Webdesign tätig, ähnlich wie es im Artikel auch das neue Berufsbild sein soll. Wo genau grenzen sich denn diese beiden Berufe voneinander ab?

    • Jürg Mühlemann 28. Februar 2014 - 16:09 Antworten

      Ich sehe es so: Schnittmengen gibt es sicher, doch die Ausbildung von Interactive Media Designers geht in der Gestaltung und im konzeptuellen Arbeiten mehr in die Tiefe, während Mediamatiker/innen Wissensbereiche abdecken, die in der IMD-Ausbildung nur gestreift werden: Marketing, Informatik und Administration. Vielleicht nimmt ja auch noch der Verein SIMD Stellung zu dieser Frage.

    • Peter Theilkäs 1. März 2014 - 14:45 Antworten

      Die Mediamatikerausbildung ist eine anspruchsvolle Querschnitt-Ausbildung, die die Bereiche Informatik, Polygrafie, KV und Organisation umfasst. Je nach Lehrbeterieb hat man die Wahl zwischen verschiedenen Ausbildungsschwerpunkten.
      Beim Interactive Media Designer handelt es sich um ein Berufsbild, das sich ausschliesslich mit der Aufbereitung, Konzeption und Gestaltung von Inhalten für interaktive digitale Kommunikationsmittel befasst. In der Westschweiz sind in den letzten 15 Jahren über 700 Fachleute ausgebildet worden.
      Im Bildungsplan werden folgende vier fachorientierte Handlungskompetenzbereiche beschrieben:
      1. Vorbereiten von Projekten mit digitalen interaktiven Inhalten
      2. Entwickeln von Konzepten für interaktive digitale Kommunikationsmittel
      3. Erstellen von Design für interaktive digitale Kommunikationsmittel
      4. Anwenden des Fachenglisch
      Wie beim Polygraf und Grafiker, ist der Aufgabenbereich beim Interactive Media Designer EFZ enger gefasst als bei der Mediamatikerausbildung und geht daher mehr in die Tiefe, als dies beim Mediamatiker möglich ist.

  • Manuel Mühle 25. September 2014 - 21:58 Antworten

    Wo kann ich eine Lehrstelle als Interactive Media Designer EFZ finden?
    Kennt jemand ein Betrieb in Bern für 2015?

  • Administrator 26. September 2014 - 14:46 Antworten

    Offene Lehrstellen finden Sie zum Beispiel hier:
    http://www.simd.ch/de/lehrstellenboerse

    Da es sich um eine neue Grundbildung handelt, befindet sich das Lehrstellenangebot noch in der Entwicklungsphase. Weitere Informationen erhalten Sie bei Swiss Interactive Media Design: http://www.simd.ch/de/kontakt

  • Hedinger Daniel 6. November 2014 - 17:22 Antworten

    Wollte mal nachfragen bis wann entschieden wird, dass die Berufsschule auch im Kanton Zürich angeboten wird? Mein Sohn möchte die Ausbildung im 2016 als Interactive Media Designer starten. Ist das realistisch oder sollen wir von Anfang an Plan B verfolgen??

  • Klauck Luciano 18. März 2015 - 10:39 Antworten

    Ich möchte wissen wo ich diese Beruf (interactive media designer) schnuppern köntte.
    😀

  • Hinterlasse einen Kommentar

    Spam- Schutz *