Frühe Sensibilisierung für die Laufbahnplanung

14 25. August 2016 / Posted von Drucken

In Zusammenarbeit mit dem Ausbildungsbetrieb ewz unterstützt das Laufbahnzentrum Jugendliche beim Übergang von der Lehre ins Berufsleben. Bereits ab dem 1. Lehrjahr werden die Lernenden in einer Workshop-Reihe mit Themen rund um die Laufbahnplanung konfrontiert. Bei zwei ehemaligen Teilnehmenden haben wir nachgefragt, wie sie das Angebot erlebt haben. Die Leiterin der Berufsbildung nimmt ebenfalls dazu Stellung.

von Jürg Mühlemann und Silvan Arnold

Das Laufbahnzentrum unterstützt Jugendliche nicht nur im Übergang 1 – also beim Übertritt von der Schule in die Lehre oder Mittelschule – sondern auch im Übergang 2, wobei es um den Einstieg ins Berufsleben nach der Lehre geht. Nebst Einzelberatungen werden bereits seit über zehn Jahren erfolgreich Seminare und Workshops in Zusammenarbeit mit verschiedenen Berufsfachschulen zum Thema «Wie weiter nach der Lehre?» durchgeführt.

Vor sechs Jahren ist aus diesem Engagement für Lernende in Zusammenarbeit mit dem ewz (Elektrizitätswerk der Stadt Zürich) ein neues Projekt entstanden. Darin werden die Lernenden vom Start der beruflichen Grundbildung bis kurz vor Lehrabschluss mit verschiedenen thematischen Workshops rund ums Thema Laufbahnplanung begleitet. Übergeordnetes Ziel ist dabei, die Lernenden bereits in der Lehre für ihre eigene Laufbahnplanung zu sensibilisieren. Im 2. Lehrjahr erhalten sie zum Beispiel einen Einblick in mögliche Zukunftsfelder in Form eines internen oder externen Zukunftstages. Im letzten Lehrjahr lernen sie, wie bei einer beruflichen Standortbestimmung vorzugehen ist und wo entsprechende Informationen und Unterstützung bei der eigenen Laufbahnplanung zu holen sind.

In diesem Bericht geben die ehemaligen KV-Lernenden Tânia und Heinrich darüber Auskunft, wie sie die Workshop-Reihe erlebt haben. Auch die Leiterin der Berufsbildung im ewz, Frau Regula Bel Kadhi, berichtet von ihren Erfahrungen mit dem Projekt.

Was den Jugendlichen in Erinnerung geblieben ist
In Erinnerung geblieben ist Heinrich und Tânia vor allem die Vielfalt an Weiterbildungsmöglichkeiten, die sie im Rahmen des Workshops im BIZ kennenlernten. Heinrich hat bei dieser Gelegenheit von Berufen erfahren, von denen er gar nicht gedacht hätte, dass es sie gibt. Auch Tânia war beeindruckt vom grossen Weiterbildungsangebot. Aus den übersichtlich gestalteten Unterlagen sei ihr klar geworden, welchen Weg sie einschlagen muss, um einen bestimmten Beruf zu erreichen, meint sie. Als wertvolle Erfahrung nennt Tânia ausserdem die Präsentation, die sie Mitte Lehre in einem der Workshops hielt. Die Aufgabe war, ihren Wunschberuf Innenarchitektin vorzustellen. Das selbstständige Recherchieren in der Vorbereitung beurteilt sie im Nachhinein als sehr lehrreich. Für Heinrich waren rückblickend der Fragebogen Explorix und die umfangreiche Liste mit Jobs, die er als Resultat erhalten hat, sehr nützlich.

Wie sie von den Workshops profitiert haben
Als Lernender mit Berufsmaturität wusste Heinrich, dass er danach an eine Fachhochschule kann und für die Uni die Passerelle braucht. Im Workshop lernte er auch die anderen Möglichkeiten kennen. Er erfuhr von den Höheren Fachschulen, den Berufsprüfungen und den Höheren Fachprüfungen. Den grössten Nutzen der Workshops sieht er im erweiterten Wissen rund um das Berufsfeld. Auch Tânia lernte die ganzen Weiterbildungsmöglichkeiten erst durch die Workshops kennen.

Durch die Seminarreihe hat das Thema Laufbahnplanung für beide grosse Bedeutung erhalten. Tânia empfindet die Planung der beruflichen Zukunft als wichtig, denn ohne laufe man beispielsweise Gefahr, das Falsche zu studieren und somit viel Zeit zu verlieren. Die Workshops seien für sie ein Denkanstoss gewesen für die Überlegung, welchen Weg sie einschlagen möchte oder könnte.

Die Auseinandersetzung mit der Laufbahnplanung ist laut Heinrich auch hilfreich für die eigene Standortbestimmung. Er glaubt, dass man im Leben immer weitermachen muss, um sich an die Veränderungen rund um uns herum anpassen zu können.

Wie geht es bei den beiden weiter?
Tânia hat die Grundbildung als Kauffrau vor einem Jahr abgeschlossen. Sie wird noch ein Jahr im Lehrbetrieb arbeiten, danach besucht sie in Vollzeit die Berufsmaturitätsschule. Die Innenarchitektur ist bei ihr weiterhin ein Thema. Sie ist allgemein an gestalterischen Berufen interessiert. Ganz sicher ist sie sich jedoch nicht, und zieht deshalb in Betracht, eine Laufbahnberatung in Anspruch zu nehmen.

Heinrich wird noch ein Dreivierteljahr im ewz bleiben und danach die Rekrutenschule antreten. Nach dem Militär will er an der Fachhochschule den neuen Studiengang Wirtschaftspsychologie belegen. Darauf ist er bei einer Internetrecherche gestossen. Er suchte nach einer Studienrichtung, wo er sich selbst einbringen kann und sich das Wissen nicht nur aus Büchern holen muss. An einer Info-Veranstaltung vor drei Wochen liess er sich bereits über den Inhalt des Studiengangs orientieren.

Die Einschätzung der Leiterin Berufsbildung
Regula Bel Kadhi, Leiterin Berufsbildung im ewz, legt dar, wie es zur Zusammenarbeit mit dem Laufbahnzentrum kam. Bereits vor 15 Jahren, als sie im ewz ihre Stelle antrat, habe es dort das befristete Weiterbeschäftigungsjahr gegeben, erinnert sie sich. Damit bot man den Lernenden die Gelegenheit, nach Abschluss der Grundbildung für ein weiteres Jahr im Lehrbetrieb zu bleiben. «Man wollte vermeiden, dass sich Jugendliche bereits während den Vorbereitungen zur Lehrabschlussprüfung damit auseinandersetzen müssen, was sie danach machen», sagt Bel Kadhi. Dieses Weiterbeschäftigungsjahr entwickelte sich laut der Leiterin Berufsbildung jedoch allmählich zu einem «Auslaufjahr», das wie im Flug verging, ohne dass sich die Jugendlichen intensiv mit ihrer beruflichen Zukunft befasst hätten.

So kam es, dass sich die Berufsbildungsverantwortlichen des ewz in Arbeitsgruppen nach Möglichkeiten suchten, wie die Jugendlichen besser auf ihre Laufbahn vorbereitet werden könnten. Man habe Ideen gesammelt, schildert Bel Kadhi, und sei allmählich zur Überzeugung gelangt, den Fokus auf die berufliche Zukunft bereits während der Grundbildung zu öffnen. Dabei sei es naheliegend gewesen, das Laufbahnzentrum als Fachstelle für Berufs- und Laufbahnfragen für eine Zusammenarbeit anzufragen.

Erwartungen an das Projekt
Bei einem Ideenaustausch zwischen Laufbahnzentrum und ewz legten die Verantwortlichen des Ausbildungsbetriebs ihre Erwartungen an das neue Angebot dar. Ihnen war wichtig, die verschiedenen Berufe, die im ewz ausgebildet werden, zu vernetzen und daraus Synergien zu nutzen. Man wollte erreichen, dass Lernende in handwerklichen Berufen und lernende Kaufleute sich untereinander austauschen und voneinander profitieren können. Es wurde zudem angeregt, die Lernenden des 1. Lehrjahrs mit einfacheren Fragestellungen für Themen rund um das Arbeitsleben zu sensibilisieren, während im 2. und 3. Lehrjahr eine schrittweise Fokussierung auf die Laufbahnplanung stattfinden soll. Die Beibehaltung des befristeten Weiterbeschäftigungsjahrs war dem ewz ebenfalls ein Anliegen. Aus diesen Anhaltspunkten entwickelte das Laufbahnzentrum ein Konzept, in dem die verschiedenen Aktivitäten pro Lehrjahr definiert wurden.

Übersicht Projekt ewz_aktualisiert_2016

Übersicht über die Inhalte der einzelnen Workshops

 

Klarere Perspektiven
Die Übergang-2-Workshops werden unterdessen seit rund fünf Jahren durchgeführt. Für das ewz sind sie ein grosser Erfolg. Als Gewinn nennt Bel Kadhi etwa die klareren Vorstellungen der Lernenden in Bezug auf ihre berufliche Zukunft. Die Motivationsschreiben, die Lernende für die befristete Weiterbeschäftigung oder für einen Austritt verfassen, sind laut Bel Kadhi viel konkreter geworden. «Die einen planen eine grössere Reise und wollen noch ein Jahr lang Geld verdienen. Andere sind sich bewusst geworden, dass sie die Berufsmaturität 2 brauchen. Andere beabsichtigen auf dem Beruf zu bleiben und visieren eine höhere Berufsbildung an. Die Zukunftspläne sind viel klarer geworden», freut sich die Leiterin der Berufsbildung.

Instrument zur Leistungsbeurteilung
Einen grossen Vorteil der Übergang-2-Workshops sieht Bel Kadhi zudem darin, dass damit ein neues Instrument zur Messung von Leistung und Einsatzbereitschaft der Lernenden zur Verfügung steht, das vor allem auch für die Berufsbildner und Berufsbildnerinnen hilfreich ist. Während früher das Bestehen der Abschlussprüfung die wichtigste Voraussetzung für eine befristete Weiterbeschäftigung war, ist es heute der Besuch der Workshops. «In Zusammenarbeit mit dem Laufbahnzentrum haben wir ein zusätzliches Führungsinstrument geschaffen», erklärt Bel Kadhi.

Bei den Lernenden einen guten Eindruck hinterlassen
Das ewz ist der grösste Ausbildungsbetrieb für den Beruf des Netzelektrikers, der Netzelektrikerin. Beim Stromversorger ist man auf diese Berufsleute angewiesen, betont Bel Kadhi. Auch sie ist der Meinung, dass junge Berufsleute davon profitieren, wenn sie ausserhalb der Lehrfirma Berufserfahrung erfahren. Es sei aber enorm wichtig, dass Einzelne von ihnen früher oder später zurückkommen. In diesem Zusammenhang ist Bel Kadhi davon überzeugt, dass sich eine gute fachliche wie auch soziale Betreuung der Lernenden langfristig auszahlt. «Wenn sie vom Betrieb unterstützt und gefördert werden und in der Grundbildung eine gute Zeit erleben, erinnern sie sich später gern zurück. Damit steigen die Chancen, dass sie zum Ausbildungsbetrieb zurückkehren», meint Bel Kadhi. Sie erwähnt das Beispiel eines Netzelektrikers, der noch in der Grundbildung von einer anderen Firma mit attraktiven Lohnperspektiven abgeworben wurde und Jahre später wieder zum Lehrbetrieb zurückkehrte. Daneben nennt sie vier Beispiele von ehemaligen Lernenden, die aktuell im ewz Karriere machen.

Bei den Workshops für die Lernenden handelt es sich um ein kostenpflichtiges Angebot des Laufbahnzentrums. Die einzelnen Workshops dauern in der Regel drei Stunden und werden nach Möglichkeit in den Räumlichkeiten des Laufbahnzentrums durchgeführt.

Bei Fragen rund um das Angebot wenden Sie sich bitte an:
lbz-uebergang2@zuerich.ch

 

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