Eine Erfolgsgeschichte seit knapp 40 Jahren

16 22. September 2016 / Posted von Drucken

Die Erfolgsgeschichte nahm vor 39 Jahren ihren Anfang, als in Zürich das erste Berufsinformationszentrum der Schweiz eröffnet wurde. Mittlerweile werden im Land rund 70 dieser Informationsstellen betrieben. Aus Anlass der Eröffnung des neu gestalteten Parterres im Laufbahnzentrum werfen wir einen Blick zurück.

von Jürg Mühlemann

Der FC Zürich besiegt im Cupfinal den FC Basel mit 4:1, die Beatles veröffentlichen ihr letztes Studioalbum und die Tagesschau des Schweizer Fernsehen flimmert noch in Schwarzweiss in die Stuben. Wir schreiben das Jahr 1970, das „internationale Jahr der Bildung“. In diesem Jahr wird in Berlin-Charlottenburg am Ernst-Reuter-Platz das erste Berufsinformationszentrum Europas eröffnet.

Nordostexpedition
Die Neuigkeit erreicht auch Zürich und macht die Mitarbeitenden der Berufsberatung neugierig. Wenige Jahre später reist eine Delegation der Berufsberatung der Stadt Zürich in den Norden, um sich von der ersten Informationseinrichtung dieser Art einen Eindruck zu verschaffen. Die Forschungsreisenden lassen sich von Berlin inspirieren und wollen in Zürich etwas Ebenbürtiges realisieren. Nach intensiver Planungs- und Vorbereitungsarbeit ist es am 8. Dezember 1977 soweit: Am Helvetiaplatz eröffnet die Stadt Zürich das erste Berufsinformationszentrum der Schweiz.

Sozio-ökonomischer Wandel
Der gesellschaftliche und wirtschaftliche Wandel Ende der 1970er Jahre war in der Berufsberatung deutlich spürbar. Mit der Zunahme an Erwerbslosen und Wiedereinsteigerinnen trat die Beratung von Erwachsenen aus dem Schattendasein hervor. Unter dieser Prämisse war es erforderlich, Informationen zu Bildungsangeboten für Erwachsene besser zugänglich zu machen. Auf den Berufsberatungsstellen wurden deshalb zunehmend Informationen gesammelt, aufgearbeitet und systematisch aufbewahrt.

Wertvolle Systematik
Neben den gesammelten und erarbeiteten Daten war laut Dieter Mäder, langjährigem Mitarbeiter des Laufbahnzentrums, die Swissdoc-Systematik eine ganz wichtige Grundlage für das Einrichten der Informationsstelle und die Gliederung der Informationen. Diese Systematik wurde später durch die Berufsfelder-Systematik des damaligen Laufbahnzentrum-Direktors René Zihlmann abgelöst. Das Bewirtschaften wurde nach und nach professionalisiert. In Information und Dokumentation spezifisch ausgebildete Spezialistinnen und Spezialisten übernahmen die Aufgabe des Auffindens, Aufbereitens und Verortens von relevanten Informationen.

Selbstinformation und Niederschwelligkeit
Dokumentationsmappen über Berufe und Schulen für Jugendliche und Erwachsene wurden aufgelegt, spezifische Informationen in Schubladen aufbewahrt und bei entsprechender Nachfrage hervorgeholt. Man ging einerseits vom Prinzip der Selbstinformation aus, andererseits war die Niederschwelligkeit immer ein wichtiges Kriterium für den Betrieb eines Berufsinformationszentrums.

Expansion
Aufgrund der grossen Nachfrage stiessen die meisten Berufsinformationszentren schon Ende der 1980er-Jahre an ihre Kapazitätsgrenzen und wurden weiter ausgebaut. So bezog beispielsweise die Berufsberatung der Stadt Zürich im Jahr 1988 neue Räume an der Konradstrasse 58. Nicht nur die Platzverhältnisse wurden damit besser, auch die Niederschwelligkeit hat sich mit dem Umzug im wahrsten Sinn des Wortes verbessert, denn während ratsuchende Jugendliche und Erwachsene am Helvetiaplatz für Informationen in den 3. Stock steigen mussten, wurde der Bevölkerung am neuen Standort ein ebenerdiger „Laden“ geboten.

Heterogene Klientel
Die Niederschwelligkeit kann auch dazu führen, dass Leute ohne laufbahntechnische Fragestellung ein BIZ betreten. Ganz verschiedene Menschen gehen dort laut Laufbahnzentrum-Mitarbeiter Marco Graf ein und aus. Es komme hie und da vor, dass Beratungspersonen von Stadtflaneuren und anderen Müssiggängern in Gespräche über Gott und die Welt verwickelt würden, berichtet Graf. In diesem Sinne ist das BIZ immer auch ein Begegnungsort und ein Spiegel der Stadtbevölkerung.

Weg vom Papierigen
CD-ROMs und Videokassetten – denen man in älteren Berichten zum Thema noch begegnet – sind längst aus den Regalen und Schubladen der Berufsinformationszentren verschwunden. Das Laufbahnzentrum der Stadt Zürich ging mit der Umgestaltung des Parterres einen Schritt weiter: In den vor wenigen Tagen offiziell eröffneten Räumlichkeiten gibt es keine Ordner mehr, und die Anzahl der mit Printmedien gefüllten Regale wurde aufs Minimum reduziert. QR-Codes auf Berufs-Postkarten führen zu ausführlicheren Informationen, Jugendliche erhalten mittels einer interaktiven App Vorschläge für die erste Berufswahl. Ratsuchende, die mehr über eine Weiterbildung wissen wollen, setzen sich an einen der zahlreichen Computer oder wenden sich an die Beratenden.

Lesen Sie zum neu gestalteten Laufbahnzentrum auch den Artikel im Tages-Anzeiger: Mit Pop-Art zum passenden Job

 

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Das BIZ am Helvetiaplatz (1985)

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Ein Jugendlicher konsultiert im BIZ an der Konradstrasse einen Berufswahl-Ordner (2003)

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Das BIZ an der Konradstrasse während einer LAST-CALL-Veranstaltung (2006) mit Fredy Christen (Mitte), Leiter Information und Publikationen.

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