Ein Manifest für Kunst und Arbeit

12 18. August 2016 / Posted von Drucken

Die erstmals in der Schweiz stattfindende Manifesta legt noch bis zum 18. September den Fokus ganz auf Fragen rund um Kunst und Arbeit. Das Motto «What People Do for Money: Some Joint Ventures» hat in Zusammenarbeit mit dem Laufbahnzentrum der Stadt Zürich einen Internetauftritt geschaffen, der ein höchst origineller Kompass durch die Manifesta ist.

von Michael Milz

Das Motto der 11. Manifesta «What People Do for Money: Some Joint Ventures» stellt die Verbindung zwischen Kunst und Arbeit her: unmittelbar und überraschend. Kurator Christian Jankowski hat für die Manifesta 11 ein besonderes Konzept entwickelt und umgesetzt, indem er nach Berufen und ihren Wirkungen auf die Kunst fragt. Folglich ist auch der Begriff der Zusammenarbeit nicht nur Teil, sondern Voraussetzung des Ausstellungskonzepts: Jede Künstlerin, jeder Künstler der Manifesta wählte im Vorfeld einen in Zürich ausgeübten Beruf und wurde dann mit einem so genannten Host zusammengebracht, der eben diesen Beruf auch ausübt. Diese Schnittstelle zwischen Kunst und Arbeit bot den Nährboden für die Entstehung neuer Werke.

Beruf finden – Kunst entdecken
Die gegebene Thematik hat auch das Laufbahnzentrum der Stadt Zürich zu einer Zusammenarbeit mit der Manifesta 11 angeregt. Die Webseite «Finde deinen Manifesta-Beruf», illustriert einerseits die oft überraschende Nähe zwischen Kunst und Arbeit, ist andererseits aber auch ein praktischer wie origineller Kompass durch das Ausstellungsangebot der Manifesta: Ausgehend von den 22 Berufsfeldern nach René Zihlmann kann durch das Ausstellungsangebot navigiert werden.

Täuschung als Metapher
Im Berufsfeld 13 («Metall, Maschinen») etwa zeigt der New Yorker Künstler Jon Kessler in der Uhrenboutique Les Ambassadeurs eine Skulptur, die – so scheint es zumindest – von einem eigens von Uhrmachermeister Adriano Toninelli (Officine Panerai) gefertigten Uhrwerk angetrieben wird. Doch der Antrieb ist eine Täuschung, die ihrerseits als Metapher auf die durchgeknallten Manipulationen der Macht gelesen werden will.

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Bild: m11.manifesta.org

Houellebecq als bildender Künstler
Mit einer seiner ersten Präsentationen als bildender Künstler ist der für seine Kontroversen bekannte französische Schriftsteller Michel Houellebecq vertreten: Eingebettet in das Berufsfeld 21 («Gesundheit») zeigt er im Helmhaus und in der Klinik Hirslanden die Resultate eines umfassenden Gesundheitschecks – und damit einen Blick in sein (körperliches) Innerstes. Houellebecq wäre aber nicht Houellebecq, würde er in seiner Arbeit nicht einen kritischen Blick auf die Konsumgesellschaft werfen: Er ergänzt seine EKGs, Blutanalysen und Röntgenbilder mit den Rechnungen über die Kosten dieser Untersuche und hinterfragt damit unser Verhältnis zu Gesundheit und den Wert, den wir Gesundheit beimessen.

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Bild: m11.manifesta.org

Sterne-Küche trifft Street-Food
Wer über das Berufsfeld 3 «Gastgewerbe» in die Manifesta einsteigt, entdeckt zum Beispiel das Projekt «Imbissy» (eine Wortschöpfung aus «Imbiss» und «Embassy»), wo exquisite Sterne-Küche auf Street-Food trifft: Der US-amerikanische Künstler John Arnold hat zusammen mit dem Koch Fabian Spiquel Menüs von vergangenen Staatsbanketten ausfindig gemacht und neu interpretiert. Das Projekt «Imbissy» zeigt zudem, dass Kunst nicht nur den kulturellen Hunger stillen kann: Während der Dauer der Biennale servieren nämlich Stadtzürcher Imbissstände Arnolds und Spiquels kulinarische Schöpfungen. Das macht Lust auf mehr!

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Bild: m11.manifesta.org

Die Manifesta 11 in Zürich dauert noch bis zum 18. September 2016. Die Hauptausstellungen finden im Helmhaus und im Löwenbräu-Kunst statt. Das Herzstück der Manifesta 11 ist der «Pavillon of Reflections» beim Bellevue, ein imposanter Holzbau im See. Ergänzend zu den Hauptausstellungen finden Satellitenausstellungen an über 30 weiteren Standorten statt. Öffnungszeiten und weitere Informationen auf http://m11.manifesta.org/de

Die Manifesta ist eine europäische Biennale für zeitgenössische Kunst und fand erstmals 1996 in Rotterdam statt. Seither gastierte sie in verschiedenen europäischen Städten, zuletzt in St. Petersburg. Die Manifesta in Zürich ist die 11. Ausgabe und gastiert während 100 Tagen in der Limmatstadt. Die 12. Manifesta findet 2018 in Palermo statt.

1 Kommentar

  • Patrick Cotti 18. August 2016 - 15:22 Antworten

    Danke für den Einblick! Gut geschriebener Text, informativ und knackig.

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