Dichtes Weiterbildungsgeflecht auf Hochschulstufe

11 14. Juni 2017 / Posted von Drucken

Seit der Bologna-Reform hat sich ein dichtes Geflecht von Weiterbildungsangeboten über den Schweizer Hochschulraum gelegt. Sich in diesem Dschungel zu orientieren, ist mit Anstrengungen verbunden. ECTS-Punkte gibt es dafür aber noch keine.

von Jürg Mühlemann

An einer Info-Veranstaltung im Laufbahnzentrum im Mai lichtete Prof. Dr. Dr. Andrea Rögner den «Masterdschungel von Bologna». Die Metapher im Titel der Veranstaltung soll verdeutlichen, wie unübersichtlich das Bildungsangebot von Fachhochschulen und Universitäten im Zuge der Hochschulreform geworden ist. Neben den konsekutiven Masterstudiengängen mit den Abschlüssen Master of Arts (MA) und Master of Science (MSc) stehen bei den Weiterbildungen CAS, DAS, MAS, MBA und EMBA zur Auswahl.

In diesem Beitrag gehen wir auf einzelne Aspekte des Weiterbildungsangebots an Hochschulen ein. Wer sich in diesem Feld bereits gut auskennt, erfährt hier wohl nichts Neues. Für alle anderen sollen die Erläuterungen eine Orientierungshilfe sein.

Breit gefächertes Angebot
Das Verzeichnis von Swissuniversities verzeichnet knapp 400 MAS-Studiengänge an Fachhochschulen: Neben geläufigeren Bezeichnungen wie Wirtschaftsinformatik oder Baumanagement sind in der Datenbank Weiterbildungsmaster zu sehr spezifischen Themen wie Cardiovascular Perfusion, Digitales Bauen oder Economic Crime Investigation zu finden.

MAS (Master of Advanced Studies) berücksichtigen die Berufserfahrung der Studierenden. Praxis- und Umsetzungsorientierung ist deshalb eine typische Eigenschaft dieser Sorte von Weiterbildung. Für die Zulassung wird in der Regel ein Bachelor vorausgesetzt. Die Studiengänge dauern ca. 2 Jahre und werden fast ausschliesslich berufsbegleitend angeboten.

3 x CAS = MAS
Ein MAS ist meistens modular aufgebaut und setzt sich oft aus mehreren Zertifikatslehrgängen (CAS) zusammen. So können zum Beispiel drei CAS plus Masterarbeit einen MAS-Abschluss ergeben. Wie viele CAS es im einzelnen Fall sind und welche zu einem MAS kombiniert werden können, entscheidet die Hochschule. Auch die Kombination CAS plus DAS kann einen MAS ergeben. Er kann aber auch ein Puzzle nur aus Modulen sein, die keine Teilabschlüsse in Form von Zertifikaten (CAS) oder Diplomen (DAS) bilden.

Kein business as usual
Grundsätzlich kann bei Weiterbildungsmastern zwischen zwei Arten unterschieden werden: MAS weisen auf eine Fach- oder Expertenlaufbahn hin, während MBA und EMBA aufgrund der betriebswirtschaftlichen Orientierung auf eine Führungs- und Managementlaufbahn abzielen. Die beiden Arten unterscheiden sich auch in Bezug auf die internationale Verbreitung: MBA und EMBA sind international bekannte Studienprogramme. Den nicht-konsekutiven Mastergrad Master of Advanced Studies (MAS) kennen hingegen nur die Schweiz und Liechtenstein, vereinzelt auch Österreich.

Für Fachspezialisten und -spezialistinnen ohne breite betriebswirtschaftliche Ausbildung bieten einzelne Fachhochschulen einen MAS Business Administration an, andere einen MBA. Die Unterschiede sind dabei nicht offensichtlich, beide umfassen in der Regel 60 ECTS. Bei der Wahl des Studiengangs wird Interessierten empfohlen, immer auch darauf zu achten, von welcher Institution der jeweilige Studiengang akkreditiert ist.

Die beiden Abkürzungen MBA (Master of Business Administration) und EMBA (Executive Master of Business Administration) sorgen oft für Unsicherheit. Gibt es überhaupt einen Unterschied zwischen den beiden Business-Abschlüsse? Gut beantwortet wird diese Frage in einem Youtube-Auftritt von Erik Nagel, Studienleiter an der Hochschule Luzern: Ein MBA bereitet auf Führungsaufgaben vor und setzt keine betriebs- und volkwirtschaftlichen Kenntnisse voraus. Der EMBA hingegen setzt betriebs- und volkswirtschaftliches Wissen voraus und bereitet auf höhere Führungsaufgaben vor. Vorausgesetzt wird beim EMBA zudem, dass die Teilnehmenden über mindestens 5 Jahre Führungserfahrung verfügen.

Den Punktrichtern auf die Finger schauen
Für ein Hochschulzertifikat CAS braucht es in der Regel 15 ECTS-Punkte, für ein Hochschuldiplom DAS 30 ECTS-Punkte. Ein Weiterbildungsmaster MAS erfordert mind. 60 ECTS-Punkte. Im Vergleich dazu besteht ein konsekutiver Master (Master of Arts oder Master of Science) aus 90 bis 120 ECTS-Punkten.

ECTS-Punkte sind eine Art Währung für den Aufwand, den Studierende fürs Lernen betreiben. Dabei entspricht 1 ECTS-Punkt einem Arbeitsaufwand von 25 bis 30 Stunden an. Für einen MAS mit 60 ECTS ergibt sich danach eine Arbeitsleistung von 1500 bis 1800 Stunden, je nachdem, ob die Hochschule den ECTS mit 25 oder 30 Stunden festlegt. Andrea Rögner gibt zu bedenken, dass diese Differenz von 300 Stunden, übertragen auf die Arbeitszeit, immerhin +/- 30 Tage Ferien oder Freizeit ausmachen. Daher empfiehlt die Professorin, bei der Hochschule nachzufragen, ob sie mit 25 oder 30 Stunden pro ECTS rechnet.

Wieviele Stunden schliesslich für einen ECTS-Punkt aufgewendet werden, kommt wohl immer auch auf die Effizienz der Studierenden an. Sicher gibt es auch Studierende, die in der Lage sind, eine geforderte Leistung mit einem Arbeitspensum unter 25 Stunden zu erbringen.

Mit Checkliste zum richtigen Master
Die von der Kalaidos Fachhochschule Schweiz herausgegebene Broschüre «So finde ich den passenden Master-Studiengang» bietet eine Entscheidungshilfe für das berufsbegleitende Masterstudium. Die Autorinnen stützen sich dabei auf praktische Erfahrungen aus Beratungen von Interessentinnen und Interessenten. Die 55 Fragen umfassende Checkliste deckt viele Aspekte eines mehrjährigen Studiums ab, die nicht immer als offensichtliche Entscheidungskriterien erkannt werden.

Die Broschüre «Im Masterdschungel von Bologna» von Kalaidos finden Sie unter diesem Link.

1 Kommentar

  • Chantal 20. Juni 2017 - 12:27 Antworten

    Super Artikel! 🙂
    Herzlichen Dank

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