Bessere Chancen dank neuer Lehre

10 6. April 2017 / Posted von Drucken

In diesem Sommer können Jugendliche zum letzten Mal eine Ausbildung als Informatikpraktiker/-in EBA in Angriff nehmen. Das Berufsbild wird im Sommer 2018 durch eine neu geschaffene dreijährige Grundbildung abgelöst: ICT-Fachmann/-frau EFZ. Die Veränderung wird sowohl von Ausbildenden wie auch Beratenden begrüsst, denn Informatikpraktikerinnen und Informatikpraktiker EBA hatten nach der Lehre häufig Probleme, beruflichen Anschluss zu finden.

von Michael Milz

Seit 2005 gibt es die zweijährigen Grundbildungen mit eidgenössischem Berufsattest (EBA), die sich an schulisch nicht so starke, dafür praktisch begabte Jugendliche richtet. 58 Grundbildungen mit EBA werden derzeit angeboten, viele davon auf dem Bau, aber auch im Gastgewerbe oder etwa der Gebäudetechnik. Ab nächstem Jahr wird es eine weniger sein: Ausgerechnet im zukunftsträchtigen Berufsfeld Informatik wird das Berufsbild Informatikpraktiker/in EBA in diesem Jahr zum letzten Mal angeboten und ab 2018 durch eine neue, dreijährige Lehre als ICT-Fachmann/-frau EFZ ersetzt. Wie ist es zu dieser Veränderung gekommen? Und was sagen Ausbildende und Beratende dazu?

ICT-Branche: Anforderungen zu hoch für EBA
Im Rahmen der Fünfjahresrevision des Berufsbildes Informatikpraktiker/in EBA stand der Berufsverband ICT-Berufsbildung Schweiz vor der Frage, ob eine Total- oder eine Teilrevision angezeigt wäre – oder ob alles beim alten bleiben sollte. In einer Unternehmensbefragung zu ICT-Berufsausbildungen habe sich gezeigt, so Andrea Schürpf, Marketing & Communication Managerin bei der Geschäftsstelle von ICT-Berufsbildung, dass Jugendliche mit dieser Ausbildung Mühe hätten, eine Anstellung zu finden, weil die Anforderungen in der Arbeitswelt sehr hoch seien. «Mit der neuen Ausbildung ICT-Fachmann/-frau EFZ richten wir uns an Jugendliche mit mittleren und guten Schulleistungen, die diesen Anforderungen auch genügen.»

Ähnlich sieht das Christian Grob, Lehrlingsverantwortlicher bei der Firma Esag in Wädenswil. Er findet es sinnvoll, dass das neue Berufsbild den Informatikpraktiker ablöst. «Die Lernenden werden mit einem EFZ-Ausweis belohnt und können sich so auf dem Schweizer Markt besser behaupten.» Die Esag ist eine auf Support spezialisierte Technologiefirma, die zunächst Geräteinformatiker, dann Informatiker mit Fachrichtung Support und schliesslich seit rund neun Jahren Informatikpraktiker ausbildet. Auch Grob weiss um die nicht gerade rosigen Zukunftsaussichten nach dem Abschluss einer EBA-Lehre. «Ohne EFZ-Ausweis ist das meiner Meinung nach sehr schwierig», sagt er. «Ich rate jedem ausgebildeten Informatikpraktiker an, sich unbedingt weiter auszubilden und in Richtung eidgenössisches Fähigkeitszeugnis zu steuern.»

Einstieg in die Branche …
Natürlich sieht er auch das Gute an der EBA-Ausbildung; viele junge Leute bräuchten die zwei Jahre Ausbildung – einerseits um erwachsener zu werden und andererseits um herauszufinden, in welche Richtung sie steuern wollen. Und es geht ein Stück weit auch um soziale Verantwortung. «Wir wollen Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich in der Berufswelt zurechtzufinden», so Grob. «Schwächere Schüler können so in eine Berufsrichtung einsteigen und sich später weiterentwickeln.»

Den Aspekt der sozialen Verantwortung habe man auch bei der Entwicklung des neuen Berufs berücksichtigt, sagt Andrea Schürpf von ICT-Berufsbildung Schweiz, schliesslich wäre es ja nicht darum gegangen, nur noch Ausbildungen für die Besten zu schaffen. «Ausgehend von den Bedürfnissen der ausbildenden Betriebe hat sich aber auch gezeigt, dass eine dreijährige EFZ-Lehre angemessener ist.» In aller Regel haben Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger mit einem Berufsattest die Möglichkeit, eine verkürzte Lehre in ihrem Berufsfeld zu absolvieren – so auch Informatikpraktikerinnen und Informatikpraktiker, denen die Möglichkeit einer abgekürzten Lehre als Informatiker/in EFZ offenstand. Eine Möglichkeit, die aber nur sehr selten genutzt worden sei, meint Schürpf: «Die Hürde zwischen den beiden Ausbildungen ist für die meisten Jugendlichen einfach zu hoch.» Weil die bisherige Ausbildung zum Informatikpraktiker im Vergleich zu anderen 2-jährigen Grundbildungen anspruchsvoller war, richte sich die neue 3-jährige Ausbildung durchaus auch an Jugendliche, die sich bisher für die EBA-Ausbildung interessiert hätten.

… oder Sprungbrett für eine andere Lehre
Auch Liliane Müller, Beraterin im Laufbahnzentrum der Stadt Zürich, begrüsst die Streichung des Berufsbildes Informatikpraktiker/in EBA. «Es gibt für die Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger schlicht keinen Arbeitsmarkt und auch keinen Anschluss an die 4-jährige Informatikerlehre EFZ», sagt sie. «Ein Lehrabschluss, der ins Leere führt, ist unfair für die Jugendlichen und auch überhaupt nicht im Sinne der EBA-Ausbildungen.» Da für die Jugendlichen die Situation meist frustrierend sei, rate sie in ihrer Tätigkeit von einer Ausbildung zum Informatikpraktiker eher ab. Viele Informatikpraktiker würden das Berufsattest allerdings als Sprungbrett für eine Lehre in einem anderen Beruf nützen. Entsprechend erfreulich findet Müller denn auch die Schaffung des neuen Berufs als ICT-Fachmann/-frau EFZ, schliesslich sei seitens der Jugendlichen ein grosser Bedarf an eine Lehre im Informatikbereich – gerade auch von solchen, die schulisch nicht top seien.

Ihre Hoffnung setzt Liliane Müller in die Schaffung von ausreichend Lehrstellen für angehende ICT-Fachleute, und sie wünscht sich, dass «die Stellen auch tatsächlich an die nicht so leistungsstarken Schülerinnen und Schüler vergeben werden und diese dann auch Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.»

Andere EBA-Berufe bewähren sich
Von der aktuellen Entwicklung im Berufsfeld Informatik würde Liliane Müller indes nicht aufs Ganze schliessen; in einigen Branchen funktioniere das System mit den EBA-Berufen gut. «Leider gibt es einfach in vielen Branchen wie etwa dem Unterhalt oder der Logistik viel zu wenige Lehrstellen.»

ICT-Fachmann/-frau EFZ (ab 2018): Die neue 3-jährige Grundbildung ICT-Fachmann/-frau EFZ richtet sich an Sekundarschülerinnen und Sekundarschüler mit mittlerem Niveau und löst die 2-jährige Grundbildung Informatikpraktiker/-in EBA ab. ICT-Fachleute EFZ sind für die Inbetriebnahme, Installation und Wartung von ICT-Benutzerendgeräten zuständig und stellen den Betrieb von vernetzten ICT-Geräten sicher. Zudem unterstützen sie die Benutzerinnen und Benutzer im Umgang mit ICT-Mitteln und wickeln Supportarbeiten ab.

http://www.ict-berufsbildung.ch/berufsbildung/neu-ab-2018-ict-fachfrau-ict-fachmann-efz/

Keine Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Spam- Schutz *