Aufbereitung von Operationsbesteck und anderen Medizinprodukten

8 7. November 2017 / Posted von Drucken

Am 1. Januar 2018 tritt die Verordnung der neuen Grundbildung Medizinproduktetechnologe/-login EFZ in Kraft. Norma Hermann, die seit 10 Jahren die Sterilisationsabteilung im Inselspital Bern leitet, war bei der Erarbeitung des neuen Berufs mit dabei. In einem Interview gibt sie Auskunft über die Arbeit mit Medizinprodukten im Aufbereitungs- und Sterilisationsbereich.

Interview: Monika Palek

Frau Hermann, welches sind die zentralen Tätigkeiten in diesem Beruf?
Im sogenannten Schmutzbereich finden die Vorreinigung – also das Bürsten, Durchspülen und die Ultraschall-Vorreinigung – und die Demontage von komplex gebauten chirurgischen Instrumenten statt. Natürlich exakt nach Angaben der Hersteller. Die Berufsleute bedienen Geräte wie das Ultraschallgerät, bereiten Reinigungs- und Desinfektionslösungen zu, erfassen die Instrumente mittels Barcode, sortieren sie und entsorgen Einwegprodukte. Das Ziel sind saubere Instrumente in einem Durchlauf, dies bei sehr unterschiedlichen Verschmutzungsgraden.

Es wird also sowohl von Hand als auch maschinell gereinigt?
Genau. Die Aufbereitungsprozesse laufen vorwiegend maschinell ab. Dabei variiert das Ausmass der manuellen Vorarbeiten je nach Auftrag stark. So, wie die Instrumente vom Kunden, also zum Beispiel vom OP, zu uns kommen, können sie nicht direkt in die Reinigungsmaschine geladen werden: Es gibt Instrumente oder Utensilien, die nicht maschinell aufbereitet werden können, bestimmte Geräte oder Instrumente müssen getrennt, zerlegt oder aufgesteckt werden und es gibt Geräte, die nicht mit Ultraschall vorgereinigt werden dürfen.

Norma Hermann, Inselspital Bern

Müssen sich die Berufsleute mit entsprechender Schutzkleidung schützen?
Ja, im Schmutzbereich müssen die Mitarbeitenden sich selbst schützen, einerseits vor den Kontaminationen, die von den Instrumenten ausgehen, andererseits vor aggressiven chemischen Substanzen, die beispielsweise im Ultraschall eingesetzt werden. In der Ausbildung lernt man den Umgang damit.

«Die wichtigsten Kunden sind Operationseinheiten.»

Welche Medizinprodukte kommen zu Ihnen in den Schmutzbereich?
Die wichtigsten Kunden von Sterilisations- und Aufbereitungsabteilungen sind Operationseinheiten mit ihrem wiederverwendbaren chirurgischen Instrumentarium. In grösseren Spitälern verwenden auch die Pflegestationen viel Material, das aber vom Design her viel einfacher gebaut ist. Das sind meistens Scheren und Pinzetten.

Und das Material aus dem OP?
Das geht von einer einfachen Schere oder Pinzette bis hin zu komplex gebauten Instrumenten, die auch vom Material her vielschichtig sind. Diese kann man nicht mittels Standardprozessen aufbereiten wie zum Beispiel eine Schere.

Was geschieht als Nächstes im Aufbereitungsablauf?
Die Instrumente werden in der Maschine einem standardisierten Reinigungs- und Desinfektionsprozess unterzogen. Durch eine Art Auskochen werden sie desinfiziert, die Keime werden abgetötet. Danach müssen die Instrumente getrocknet werden. Das passiert alles in der Maschine.

Wie geht es weiter?
Ein ausgebildeter, befugter Mitarbeiter prüft die Prozessparameter des Reinigungs- und Desinfektionsvorgangs. Sind alle Parameter und einige wichtige Punkte korrekt, gibt dieser Mitarbeiter die Charge mit den Instrumenten frei. Der nächste Schritt kann folgen. Mithilfe einer Packliste werden die Instrumente zusammengesetzt und zu Sets gruppiert. Gleichzeitig kontrollieren sie die Sauberkeit und die Funktion jedes Instruments. Produkte wie Gelenkinstrumente, Motoren oder Bohreraufsätze müssen zudem noch gepflegt und geölt werden. Komplexere Instrumente benötigen spezielle Funktionstests und spezielle Pflege. Das muss der Mitarbeiter in der Ausbildung und im Betrieb lernen.

Tragen die Berufsleute dabei Handschuhe?
Nein, im Sauberbereich oder Packbereich sind Handschuhe nicht zwingend notwendig und können sogar etwas hinderlich sein bei dieser Arbeit. Händehygiene ist aber wichtig. Alle Mitarbeitenden werden darin geschult. Nachdem die Instrumente gereinigt und desinfiziert wurden, geht es darum, diese Qualität an Sauberkeit möglichst aufrechtzuerhalten.

Wohin kommen die Medizinprodukte nach der Packzone?
Die Instrumenten-Sets oder Siebe kommen zurück in ihre Behälter und werden beschriftet. Für diesen sehr wichtigen Arbeitsschritt gibt es klare Vorgaben. Darauf folgt ein umfangreicher maschineller Prozess, der abschliessende Sterilisationsprozess. Zwecks Rückverfolgbarkeit werden die Behälter erfasst, danach wird die Integrität und Beschriftung der Verpackungen geprüft. Der Sterilisationsprozess ist gesetzlich geregelt. In diesem Rahmen werden die vorgegebenen Kontrollen gemacht und die Prozesse dokumentiert. Nach erfolgter Freigabe der Medizinprodukte werden diese meistens an den OP oder an Kunden retourniert. Die Instrumente können nun wieder eingesetzt werden.

«Es sind komplex gebaute Instrumente, die dann in der Aufbereitung umso diffiziler sind.»

Aus welchen Gründen wurde die neue Grundbildung geschaffen?
Es gibt verschiedene Gründe. Einer davon ist, dass die Auflagen für das Aufbereiten von Medizinprodukten strenger geworden sind und in Zukunft noch strenger werden. Gleichzeitig nimmt deren Komplexität zu. Ein Beispiel ist der Da-Vinci-Roboter, der in vielen Schweizer Spitälern eingesetzt wird. Das ist neuste Technologie, die eine für den Patienten schonende Operation gewährleistet. Es sind komplex gebaute Instrumente, die dann in der Aufbereitung umso diffiziler sind. Auch die Vielfalt der Instrumente nimmt zu und ist ebenfalls ein Grund für die Notwendigkeit der Grundbildung und der eidgenössischen Reglementierung des Berufs.

Wie sieht es mit Lehrbetrieben aus?
Wir werden hier am Inselspital zwei Lernende ausbilden. Es gibt schon ziemlich viele Betriebe, die sich interessieren und nun damit beginnen, die Lehrstellen zu publizieren.

«Ein hohes Mass an Verantwortungsbewusstsein wird vorausgesetzt.»

Welches sind die wichtigsten Eigenschaften, die man für diesen Beruf mitbringen sollte?
Ein Flair für Technik ist sicher wichtig. Viele Instrumente müssen auseinandergenommen und dann auch wieder richtig zusammengebaut werden. Wenn dabei etwas schief läuft, funktionieren sie in der Chirurgie nicht richtig, was gravierende Folgen haben kann. Die Qualität eines Produkts hat direkten Einfluss auf die Gesundheit des Patienten, aber auch des Chirurgen und der Fachleute für Operationstechnik. Ein hohes Mass an Verantwortungsbewusstsein wird deshalb vorausgesetzt. Beim Packen und Zusammensetzen der Instrumente sind zudem Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit erforderlich. Da es viele farbliche Kennzeichnungen gibt, darf keine Farbsehstörung vorliegen. Ausserdem darf man sich nicht vor Blut ekeln, denn manchmal sehen die OP-Instrumente nicht so schön aus. Dann braucht es Verständnis für Prozessabläufe. Bei jedem Teilschritt müssen die Normen und Vorgaben eingehalten werden. Teamfähigkeit ist wichtig, weil man meistens in grossen Teams arbeitet. Zu guter Letzt sollte man eine gute Gesundheit und körperliche Verfassung mitbringen: Man arbeitet die meiste Zeit im Stehen und muss zum Teil schwere Behälter und Container heben oder verschieben.

Wen spricht diese Grundbildung an?
Alle an Gesundheit und Spital Interessierten. Dieser Beruf kann auch ein Sprungbrett für andere Spitalausbildungen sein.

Welche Karrieremöglichkeiten gibt es?
Neben anderen Ausbildungen im Spital besteht die Möglichkeit, Teamleiter oder Teamleiterin zu werden oder sich zu spezialisieren, zum Beispiel in der Aufbereitung von flexiblen Endoskopen – oder was auch immer es in Zukunft geben wird: Die chirurgischen Technologien werden laufend weiterentwickelt. Ins Qualitätsmanagement einzusteigen ist ebenfalls möglich. Wie gesagt öffnet einem diese Grundbildung eine Tür ins Gesundheitswesen. Als Medizinproduktetechnologe hat man keinen direkten Kontakt zu Patienten, hat aber gegenüber ihnen eine extrem hohe Verantwortung.

Wie schätzen Sie den zukünftigen Stellenmarkt ein?
Medizinproduktetechnologen und -technologinnen wird die Arbeit nicht ausgehen. Ich denke, das wird auch in Zukunft so bleiben. Den Job wird es immer geben, er wird schwieriger und vielschichtiger. Rein maschinell wird es meiner Meinung nach auch in Zukunft nicht gehen, weil die Instrumente viel zu komplex sind.

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